Magic Cardboard VR-Brillen Test



Freitag 29 Juli 2016 von Trixter Sonstige Test keine Kommentare

VR - Virtual Reality (virtuelle Realität) ist seit einiger Zeit wieder in aller Munde - natürlich ist die Thematik selbst schon seit Mitte der 90er Jahre für zB. PC und Amigas bekannt (wer denkt da nicht direkt an die i-Glasses? Und nein, das war kein Appleprodukt, wie man annehmen könnte), aber solche Brillen waren für Privatanwender fast unerschwinglich und somit nur wenigen Usern vorbehalten. Mit der Verbreitung des Smartphones rückt dieses Thema für die Massen aber wieder in greifbare Nähe -  was läge es also näher, den Spaß einmal selber auszuprobieren?


Wir haben im Auftrag von verbraucherwelt.de zwei VR-Brillenmodelle der Magic Cardboard-Reihe getestet - wobei es sich natürlich strenggenommen nicht um wirkliche VR-Brillen (also mit verbauten Monitoren und Technik) handelt, sondern um Smartphonehalterungen. Und natürlich sind diese VR-Welten dann nur mit unterstützenden Smartphone-Apps nutzbar und nicht mit Computern - daher wird dieser Test der erste sein, der mal kein reines Retroprodukt unter die Lupe nimmt.

Beginnen wir unseren Testreigen mit dem günstigen Modell - der Magic Cardboard V2.


Dieses Modell besteht aus Pappe und stellt eine neuere Version der ursprünglichen Variante dar - statt dem Hantieren mit irgendwelchen Magneten, kann man jetzt das Smartphone über einen eingelassenen Schalter bedienen - ansonsten ist - bis auf wenige Änderungen, zB. bei der Position der Klettverschlüsse, die das Teil zusammenhält - alles gleich geblieben. Okay, eines ist auch noch anders - es gibt keine Aussparung mehr für die evtl. hintere Kamera am Smartphone - da man aber eh nicht mit dem Teil durch die Gegend laufen sollte, sondern dieses sitzend nutzt, ist das verschmerzbar - ansonsten - das Gehäuse ist aus Pappe... da bietet es sich geradezu an, individuelle "Kameralöcher" für sein Smartphone selber zu erstellen, falls sie doch irgendwann einmal nötig sein sollten...

Geliefert wird das Modell in einem eigenen Schiebekarton - man kann die eigentliche Brille also wie bei einer Streichholzschachtel an den Seiten herausschieben - und bei Nichtgebrauch wieder sicher verstauen - somit sollte die Brille auch beim Transport in einer Tasche ausreichend geschützt sein - eine gute Lösung!

Der Zusammenbau der Brille ist vielleicht am Anfang etwas tricky, da man noch nicht weiß, wie man genau vorgehen soll - eine Anleitung (als gedrucktes Heftlein) fehlt - es ist nur ganz grob der Zusammenbau auf dem Schiebkarton aufgedruckt - hat man das aber einmal gemacht, geht das Ganze beim nächsten Mal richtig flott von der Hand. Laßt euch nicht entmutigen - der obere Teil ist "verklettet" und muss erst gelöst werden - danach kann man die Kartonage nach Anleitung zusammenklappen und fixieren. Jetzt wird es Zeit die Brille mit dem Smartphone zu koppeln - zB. die App "Google Cardboard" aus dem Playstore herunterladen und zu starten - die App wird einen dazu auffordern, den QR-Code der Brille abzufotografieren (dieser ist auf einer der Seiten aufgedruckt) und sollte alles geklappt haben, ist die Brille erkannt und mit dem Phone gekoppelt - simpel.

Das Smartphone wird danach einfach mittig auf den hinteren Bereich (auf ein Gummiband, welches das Verrutschen verhindern soll - gelingt aber nicht) gelegt und die Brille zusammengeklappt - das Klett fixiert das Ganze dann oben - fertig. Jetzt könnte man noch das beiliegende elastische Band als Kopfhalterung an den Karton festkleben - dieses ist geklettet, somit kann das Band später wieder abgenommen werden - wirklich nötig ist diese Aktion jedoch nicht, da man die Brille eh immer festhalten muss, damit das Smartphone nicht bei einer sehr schnellen Bewegung oder beim Kippen des Kopfes in einem zu steilen Winkel herausfällt. Was allerdings recht sinnvoll sein kann - die zudem beiliegenden Klebepolster für die Stirn und Nasenpartie zu befestigen - Pappe kann sehr scharfkantig sein, wenn man nicht aufpaßt - diese Dinge sollte man also für seine eigene Sicherheit schon nutzen - allerdings sind diese dann an Stellen angebracht, die die "Zusammenschiebefunktionalität" mit dem Schutzkarton behindern, bzw. sich beim Zusammenschieben ungewollt wieder entfernen können - also aufpassen und mit Gefühl an die Sache herangehen.


 

Der besagte "Knopf" oberhalb läßt den Anwender innerhalb der VR-Welt Aktionen ausführen. Dazu wird die Druckbewegung auf einen kleinen - vermutlich magnetischen - Dreieckskeil innerhalb der Brille übertragen, welcher dann auf das Display vom Smartphone drückt. Dies funktioniert recht gut - allerdings muss das Smartphone und auch die gerade verwendete App dies unterstützen, bzw. können. Wie lange diese Methode allerdings hält, ist allerdings fraglich - wer Karton mehrere Male geknickt hat, wird wissen, daß die Stabilität schnell verloren geht und das Ganze irgendwann auch einreißt - diese Frage gilt übrigens auch für das Gehäuse, nicht nur für den Knopf - gut ist aber, daß man diese Dinge auch schnell wieder reparieren kann - etwa mit Klebeband...


Die Funktionalität der Brille ist echt beeindruckend! Innerhalb befinden sich Linsen (nicht verstellbar) und die sind schon optimal ausgerichtet für ein tolles VR-Erlebnis! Einfach die entsprechende App starten, das Phone in die Brille setzen, zuklappen und diese aufsetzen - und los geht´s mit dem Trip! Brillenträger könnte uU. Probleme mit dem Aufsetzen bekommen (kommt auf die Brille an), aber in meinem Fall hat das gut geklappt  - notfalls "biegt" man die Seitenkartonage ein wenig, bis es klappt, bzw. bequem sitzt.

 

Positiv: Interaktion mittels Druckknopf "out of the box" möglich, optimaler Abstand der Linsen zum Auge, gute Schärfe und ideale Sicht
Neutral: Gehäuse aus Pappe, leicht zerkratzte Linsen
Negativ: ständiges Festhalten der Brille an beiden Seiten Pflicht, damit das Smartphone nicht herausfallen kann, keine Anleitung enthalten, die über mehr als den Zusammenbau hinaus geht
Fazit: Verarbeitung ist zwar schlicht und einfach, aber durchaus stabil - für den günstigen Preis (ca. 12 Euro) ist diese Variante auf jeden Fall jedem Neuling und interessierten Einsteiger in Richtung Virtual Reality anzuraten, da er hier ein Modell erhält, welches alle Voraussetzungen erfüllt um VR nutzen und genießen zu können. Hat man dann Gefallen an den vituellen Welten gefunden, kann man immer noch - wenn einem diese Brille mal auseinanderfallen sollte - zu einem hochpreisigeren Modell wechseln.

 

Unser zweiter Kandidat ist die Magic Cardboard X2 VR-Brille, welche in stabiler Plastikausführung daher kommt und zahlreiche Funktionen bietet. 


Geliefert wird die Brille ebenfalls in einem Schutzkarton - darin kann man sie nach Gebrauch wieder verstauen und somit sicher transportieren. Nach dem Öffnen des Kartons findet man darin die Brille, eine kleine Anleitung (Deutsch/Englisch) samt Putztuch, die Kopfgurte, eine Lichtblende und einen Schoneinsatz, der exakt auf die Innenseiten der Linsen paßt um diese vor Beschädigungen zu schützen.

Nach dem Auspacken ist die Brille (fast) schon einsatzbereit, bzw. wenn man die kleineren Ersteinstellungen einmal getätigt hat, müssen sie nicht erneut eingestellt werden - dazu gehören zB. die QR-Code-Kopplung (ein Aufkleber auf der Brille muß abfotografiert werden) und die Linseneinstellungen. Auf der Unterseite der Brille kann man den Linsenabstand (links/rechts) individuell via Schieberegler auf seine Augen anpassen - auch die Linsen selber lassen sich individuell herein oder herausdrehen - damit kann man sie für seinen gewünschten Augenabstand optimal einstellen - damit ist der Abstand vom Auge zu den Linsen selbst gemeint - nicht aber die Schärfe. Wer zB. schlechte Augen hat und seine reguläre Brille wegläßt, der wird über diese Linsenanpassung also nicht besser sehen - wer aber seine reguläre Brille verwendet und bemerkt, daß die Linsen gegen das Glas stoßen, kann die Linsen also weiter hereindrehen, damit dies eben nicht mehr passiert.

Die Kopfhalterung ist bei diesem Modell richtig sinnvoll, da das einmal eingeklemmte (klappbarer Klemmarm mit Schaumstoffpad, einrastend) Smartphone in der Brille nicht mehr herausfallen kann - hier erhält man also tatsächlich die Freiheit, die Brille nicht mehr mit den Händen festhalten zu müssen - auch nicht bei Bewegungen oder Kippen des Kopfes - sehr schön gelöst.

Die Smartphonehalterung verfügt zusätzlich über verschiebbare Seitenhalter, damit das Phone immer Mittig zentriert ist - diese Halter sind abnehmbar - etwa für die tauschbare Lichtblende. Die Lichtblende wird nötig, falls das Smartphone etwas kleiner ist und an den Seiten einfallendes Licht merkbar das VR-Vergnügen stört - diese setzt man einfach ein und schon bleibt alles an den Rändern schwarz. Das ist gut gelöst, da man somit unterschiedlich große Smartphones mit ein und derselben Brille verwenden kann.


Der Tragekomfort ist absolut gegeben - keine scharfen Kanten, alles ist schön weich ausgepolstert (wenn auch nur aufgeklebt) und die Brille ansich ist schön leicht. Alles macht einen professionelleren und stabileren Eindruck als bei dem Pappmodell (was ja auch nicht schwer ist) - allerdings fehlt der Steuerungsknopf, bzw. eine andere Steuerungsmethode. Dh. diese Brille ist ersteinmal nicht wirklich einsatzbereit - es fehlt die Möglichkeit, mit VR zu interagieren - der Nutzer benötigt ein weiteres Eingabegerät - zB. eine Bluetooth Fernbedienung, welche wiederum vom verwendeten Smartphone abhängig ist.


Zum Schluss noch ein Wort zum "Bild", welches man sieht - diese Brille scheint das sichtbare Bild zu vergrößern - man hat den Eindruck, man befindet sich im Kino in der ersten Reihe und muss - um alles mitzukriegen - regelrecht alle Richtungen der Leinwand permanent "abgrasen" - das kann anstrengend sein oder werden. Was diesen Eindruck noch verstärkt - man bemerkt den Abstand zwischen Smartphone und Brille - man sieht also die Seitenwände der Brille recht deutlich ringsherum.

 

Positiv: stabiles Plastikgehäuse, gute Klemmvorrichtung für´s Smartphone - mittig zentriert, kein Herausfallen des Smartphones möglich, angenehme Polsterung, unverkratzte Linsen
Neutral: Linsen mit Lupen/Kinoeffekt, Anleitung geht auf manche Funktionen/Voraussetzungen gar nicht ein
Negativ: keine Möglichkeit der Interaktion an der Brille - Nutzer benötigen Zusatzhardware wie zB. eine Bluetooth-Fernbedienung
Fazit: für rund 23 Euro erhält der Nutzer ein professionelles und stabiles Modell, welches sich aber an fortgeschrittene VR-Fans wendet, die Wert auf Komfort und Freiheit legen - die Notwendigkeit des Festhaltens mit den Händen entfällt komplett. Allerdings muss sich der Nutzer selber um eine Möglichkeit der Interaktion kümmern und darf sich nicht am "Kinomodus" stören.

 

Sollte ich mein persönliches Fazit aus den beiden Brillen ziehen müssen, würde ich zu der einfachen Version aus Pappe tendieren, da diese sofort einsatzbereit und verwendbar ist. Hätte man der Plastikvariante eine Möglichkeit zur Steuerung spendiert, wäre die Sache evtl. anders ausgegangen - dennoch... wer sich bislang mit dem Thema VR noch nicht beschäftigt hat, kann dies relativ kostengünstig mit dem Pappmodell realisieren und dann später immer noch zu einer anderen Brille greifen. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis, soviel sei schon mal verraten.

Verbraucherwelt hat neben den zwei hier vorgestellten Brillen noch etliche andere Modelle getestet oder testen lassen - mit Sicherheit wird auch das passende Modell für dich darunter sein - du findest eine Übersicht unter diesem Link: https://www.verbraucherwelt.de/computer-elektronik/virtual-reality-brille/

Schlagworte : Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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