C64 Test: "Speeding On The A 81" von TMF



Donnerstag 26 Mai 2016 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

Wow! Speeding On The A 81 von der Technischen Maschinenfabrik (TMF) erschien schon Mitte März - gibt es einen Grund, warum jetzt erst Ende Mai im Neme der Test dazu erscheint? Natürlich gibt es einen guten Grund für die kleine Verspätung - denn anders als bei den Vorgängerspielen der TMF, erschien nicht nur eine kostenlose Variante (März) sondern auch eine Collectors-Edition bei dem frisch gegründeten Publisher poly.play - und da wollten wir noch den Startschuß für seine Shoperöffnung abwarten.


Bedeutet für euch - wir handeln und decken hier alle möglichen Varianten des Spieles ab - von der kostenlosen Version bishin zu den Verkaufsvarianten, wobei eine übrigens auch mit einer sehr interessanten neuen Hardware daherkommt...

Bei Speeding On The A 81 handelt es sich um eine Arcaderaserei in der Tradition von Spielen wie zB. Crazy Joe (welches in diesem Beispiel auch tatsächlich Pate stand) - einer Art und Weise, welche auf dem C64 nicht unbekannt war - jeder hat schon mal dieses Spielprinzip gespielt. Man steuert einen Wagen auf einer mehrspurigen Straße und muß nicht nur selber voran kommen, sondern darf auch nicht mit anderen Fahrzeugen kollidieren, die meist in unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf den anderen Spuren per Zufallsprinzip fahren - natürlich in verschiedenen Geschwindigkeiten, sodaß man immer neue Lücken zum Ausweichen suchen muss.

Der Unterschied zu den alten Spielen und dem neuen ist aber - und darauf legt die Technische Maschinenfabrik immer großen Wert - die beste Version eines Spielprinzipes abzuliefern oder ein Spiel, welches es noch nicht auf dem C64 gab (aber auf irgendeiner anderen 8Bit Konsole schon) möglichst vom Spielprinzip original zu portieren und dieses dann per umfangreichen Optionsumfang nach eigenem Geschmack aufpeppen zu lassen. Da es sich bei Speeding On The A 81 nicht um eine Portierung handelt, kann das also nur bedeuten, daß dem Coder DATA-LAND die schon vorhandene Auswahl an fertigen Spielen gleicher Machart nicht sonderlich gefallen hat, bzw. ihm zahlreiche Verbesserungen und Ideen einfielen um das Maximum aus dem Spielprinzip zu holen.

Dazu wurde die Spielhandlung auf eine Bundesautobahn verlegt - nämlich auf die A81, die an seinem Heimatort vorbeirauscht. Bei Spielstart befindet man sich in der Mitte der dreispurigen Autobahn, (die stets von der Draufsicht dargestellt wird) und startet das Spiel mit dem ersten Gasgeben (zB. Feuerknopf). Die Aufgabe ist klar - möglichst schnell durch den Verkehr zu rasen, ohne groß andere Fahrzeuge anzurempeln - es gilt nämlich, in einem knappen Zeitlimit (von 1 Minute) eine bestimmte Distanz zurückzulegen um in den nächsten Level zu gelangen. Dabei muss man natürlich seinen Fahrstil den Begebenheiten anpassen - einfach nur auf´s Gas gehen bringt hier nicht wirklich viel - außer daß man andere Fahrzeuge rammt. Vielmehr muss man wohldosiert mit dem Gas spielen, auch mal wieder davon runtergehen, also abbremsen und Möglichkeiten suchen, durch Lücken im Verkehr durchzukommen. Schafft man es innerhalb der Zeitspanne nicht, die erforderliche Distanz zurückzulegen, ist das Spiel verloren - und es geht direkt in den Highscorebildschirm, sollte man eine erwähnenswerte Highscore erspielt haben.

Worauf ich noch gar nicht einging, sind die Anzeigen im Spielbildschirm auf der linken Seite. Hier sieht man nicht nur die vergangene Zeit, seine aktuellen Punkte und die zurückzulegenden Distanz (abnehmend) , sondern auch den Schadenszähler. Dieser zeigt quasi an, wie viel Schaden der eigene Wagen noch aushält, bis er ausfällt. Bei einem Kontakt mit einem anderen Wagen, wird also kein Crash (wie vielleicht vermutet wird) passieren, sondern der besagte Schadenszähler anfangen zu zählen, solange der Kontakt besteht (kürzere Kontakte verursachen weniger Schäden als längere) - erreicht dieser die Zahl "100", fällt der Wagen aus und auch heißt es Game Over.

Legt man aber innerhalb des Zeitlimits die besagte Distanz zurück, erscheint ein übel gelaunter schwarzer Benz, der hier als Levelübergangsboss fungiert. Er wird den Spieler versuchen nicht vorbeizulassen oder von der Piste zu rammen. Schafft man es doch irgendwie an ihm vorbei, startet der zweite Level, indem sich die Wagen auf der Autobahn selber auch seitlich bewegen - zuvor im ersten Level blieben sie stets in ihrer eigenen Spur. Schafft man es nicht (bzw. "stirbt" man generell hinter dem ersten Level) und wird von Onkel Benz ins Aus katapultiert, startet eine von mehreren Bonusstrecken - die zufällig ausgesucht werden. Es gibt eine Baustellenstrecke, wo man durch vordefinierte "Blinklichtpaare" fahren, aber Schlaglöchern ausweichen muß (diese verursachen Schaden), es gibt eine Nachtstrecke ala Night Driver, wo man eine äußerst kurvenreiche Strecke exakt, bzw. auf Gefühl nachfahren muss, da die Begrenzungen für mehrere Sekunden ausgeblendet werden, und es gibt noch etwas anderes - ein Rastplatz mit Tanke - eine Art Glücksspiel, wo man seinen Wagen an eine bestimmte Stelle am linken Rand platziert und dann automatisch auf die Reise schickt - dieser sollte dann möglichst am anderen Bildschirmrand auf ein Symbol fahren. (evtl. sind noch weitere Goodies im Spiel versteckt, gefunden habe ich aber nur die Beschriebenen) Bis auf das letzte Spiel muss man natürlich selber fahren - möglichst bis zum Ende - dann erhält man als Bonus sozusagen eine zweite Chance für das eigentliche Spiel. Vergeigt man aber die Bonusspiele ist auch hier das Spiel an dieser Stelle zu Ende.

Da dies ein arcadelastiges Spiel ist, spielt man sozusagen das Spiel "wer am weitesten kommt" - die zwei Hauptlevel wiederholen sich immer wieder von neuem, jeweils getrennt mit dem "bösen" Benzfahrer und einem der zufälligen Bonusspiele. (allerdings nur ein einziges Mal) Wer das Spiel gut beherrscht, dem sind auch längere Spielrunden von über 7 Minuten und mehr gegönnt - aber das erfordert schon einiges an Glück und Erfahrungspraxis.

 

Das wäre jetzt das Grundspielprinzip, verfeinert wird es allerdings noch durch interessante Beigaben, die man nutzen kann, aber nicht muß. Denn zwischen den regulären Fahrzeugen verstecken sich auch einige die Bonusfunktionen enthalten - wenn man sie rammt - am Auffälligsten sind da zB. Mr. Bean in seinem Mini, Phantomas in seinem DS und dieses blaue Etwas auf 3 Rädern, welches von Mr. Bean gerne umgeschmissen wird (Reliant). Rammt man einen von diesen Spezialwagen, so heimst man sich diverse Vorteile ein, zB. komplette Schadenstilgung, verbleibende Distanzeinheiten werden gelöscht, eine Bonusstrecke wird freigeschaltet oder eben viiiiele Punkte. Kleiner Hinweis - bis auf den Reliant müssen die Farben unbedingt identisch wie die Vorgabe sein!

Anders als von mir gewohnt, gehe ich erst an dieser Stelle auf die zahlreichen Optionen des Spieles ein, die man vor Spielbeginn einstellen und auch dauerhaft speichern kann. Wie üblich kann man über die Optionen das Spiel individuell nach seinen Wünschen anpassen - von leicht bis knüppelhart schwer. Zb. kann man die Geschwindigkeit samt Verkehrsaufkommen anpassen, eine Servolenkung aktivieren, die Bremsen auf hart oder soft stellen, die Fahrbahnstreifen aktivieren oder ausschalten (diese Feature habt ihr mir zu verdanken, da ich diese in den Betatests sehr hilfreich und authentisch fand). Auch läßt sich hier das eigene Fahrzeugmodell auswählen (8 stehen zur Auswahl, wobei diese aber eher einen symbolischen Charakter haben, da diese keinen Einfluss auf das Spiel selbst haben - man fährt dann halt nur mit einem anderen Sprite) und deren Farbe. 

Das Wichtigste zum Schluss - die Steuerungsmethoden. Diese sind wirklich sehr umfangreich ausgefallen. Neben normalen Joysticks werden auch Paddles unterstützt (die von Commodore, aber auch die von Atari), analoge Eingabegeräte und ganz neu - PC Lenkräder. Dies wird ermöglicht über eine eigene für das Spiel neu entwickelte Hardware namens Jocopod. Denkbar sind auch Kombinationen mit Lenkrad und Fußpedal (jenes vom Spiel Carrera F1, ebenfalls von TMF). Die Jocopod-Hardware (entwickelt von Bitbang) wird von poly.play in einer separaten Jocopod-Edition (stark limitiert) angeboten - ansonsten bliebe noch die Möglichkeit, die Hardware selber nachzubauen. Meines Wissens nach, wird es im Forum64 dazu hin und wieder Sammelbestellungen (zur Beschaffung aller nötigen Teile) geben, aber man kann auch die Entwickler kontaktieren und einfach mal nachfragen. Fertig zusammengebaute Jocopods wird es offiziell also nur in der poly.play Edition geben!

Kommen wir zur technischen Seite. Das Spiel bietet zwar keine opulente, aber zweckmäßige Grafik - hier bleibt sich die TMF stets treu - schlicht und einfach, aber durchaus ansehnlich und sogar mit netten Anspielungen (Schilder neben der Autobahn) versehen. Okay, großartig viele Animationen gibt es nicht - sieht man mal vom Umrammen eines Sonderfahrzeuges ab - aber das tut bei der Art von Spiel auch keine Not. Musik gibt es gar keine, dafür sind die SoundFX gut gelungen. Diese Schlichtheit kommt der Spielgeschwindigkeit zu Gute - alles läuft absolut flüssig und perfekt. Unter der Programmhaube steckt natürlich noch einiges mehr, was man aber im Spiel selber nicht direkt merkt. Zahlreiche "Zufallsfeatures" und Einstellmöglichkeiten um das Maximum herauszukitzeln oder das "Punktesystem" mit der zahlreiche Aktionen des Spielers belohnt werden.

Fazit:

Speeding On The A 81 kommt mit vielen neuen Ideen und Funktionen daher, die ein altbekanntes Spielprinzip stark erweitern und für neuen Spielspaß sorgen. Klar, es handelt sich dabei um kein umfangreiches Vollpreisspiel, sondern um eine Arcadepunktehatz, die man immer mal gerne herauskramt um sich mit Freunden zu messen oder seine eigenen Rekorde zu schlagen. Ein ideales Partyspiel sozusagen, welches zudem mit innovativen Steuerungsmethoden aufwarten kann. Der Schwierigkeitsgrad ist individuell anpaßbar und das Gameplay macht eine Menge Spaß, wenn man sich denn eine kleine Weile eingearbeitet und ein Gefühl für die Steuerung und das Gasgeben erlernt hat.

Interessant ist auch das Veröffentlichungsmodell - egal ob man sich für die kostenlose Version oder für eine physische Edition entscheidet - überall ist das Spiel gleich und auch bei der Version für lau ist die Anleitung dabei (auf der Diskette) - so sollte es sein! Daher kann sich der interessierte Spieler erstmal mit der kostenlosen Version beschäftigen und wenn er für sich entscheidet, daß dieses Spiel in seine Sammlung gehört, kann er dann bei poly.play im Shop zuschlagen - das steht jedem frei so wie er mag.

 

Bei poly.play erhältlich sind die Collectors Edition (Jewelcase mit Schiebecover), enthält neben der Diskette und das Handbuch ein Poster und zahlreiche Aufkleber. (15 Euro) Und die Jocopod Edition (Inhalt identisch, aber zusätzlich mit dem Jocopod-Adapter verpackt in einer Pappbox), welche streng limitiert (auf 20 Exemplare) und daher recht schnell ausverkauft sein dürfte. (64 Euro) Diese Editionen sind also für Fans des Spieles, die ein physisches Originalprodukt in den Händen halten oder die sich die Selbstbastelaktion des Adapters sparen wollen. (Portokosten für beide Editionen liegen bei 6.90 Euro) Wie auch immer - poly.play hat sich um eine sehr professionelle Umsetzung und Ausstattung gekümmert und sogar einige Bonusinhalte beigefügt - dem Konzept dürfen andere Publisher gerne folgen.

   

Der Jocopod Adapter läßt sich übrigens nicht nur für Speeding On The A 81 nutzen - auch zahlreiche andere Spiele - ua. Night Driver oder sogar Test Drive lassen sich mit dem PC-Lenkrad steuern. Eine umfangreiche Liste findet ihr hier.

Die kostenlose Version ist (mit einer Bonusdiskette, auf der sich digitalisierte Autobilder befinden) über die CSDb herunterladbar: http://csdb.dk/release/?id=146124

Normalerweise wäre an dieser Stelle der Test beendet, da ich kostenlose Spiele nicht wie in einem regulären Test bewerte, solange nicht ein Rattenschwanz dran hängt und man sich zB. für die Anleitung ein Original kaufen muss. Daher verzichte ich auch hier an dieser Stelle auf eine Prozentwertung, da das Spiel komplett ohne Einschränkung frei erhältlich ist - dennoch möchte ich den Aufwand des Publishers poly.play in seinen zwei käuflich verfügbaren Editionen honorieren und eine Kaufempfehlung für alle Arcadefans aussprechen, denen die kostenlose Version gefallen hat oder die scharf auf den Adapter sind - schlagt zu, ehe die limitierte Auflage vergriffen ist! http://polyplay.xyz/

Schlagworte : C-64, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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