Amiga: Solomon´s Key 2 (Fire´N Ice) im Test



Dienstag 19 April 2016 von Trixter Amiga, Amiga Test keine Kommentare

Zugegeben... Solomon´s Key 2 ist mir nur deswegen durchgegangen, da es Anfang letzten Jahres erschien - also noch vor dem Nemesiz Projekt Relaunch. Zum ersten Mal erfahren habe ich von dem Spiel erst beim Amiga Games Award 2015, wo es den dritten Platz machte. Durch die neuerliche Schwerpunktverlagerung habe ich endlich auch wieder die benötigte Zeit, um mich um Dinge wie "längst überfällige" Testberichte zu kümmern - es werden also in Kürze noch weitere nachfolgen. Beginnen wir aber erstmal mit Solomon´s Key 2...

Solomon´s Key von Oookami Games ist fast eine 1zu1 Konvertierung des gleichnamigen Spieles vom Nintendo Entertainment System (NES) - die Betonung liegt auf fast, denn es fehlen einige Animationen und Soundeffekte, der finale Bosskampf und die "Castlelevel", sowie jene mit Lavaboden oder mit beweglichen Gegnern - diese wurden aber durch eigene Level ersetzt. Im Grunde kann man sagen, daß man diese Dinge auch nicht groß vermißt - denn somit konzentriert sich das Gameplay ausschließlich auf´s Knobeln - was ohnehin schon immer die Grundessenz des Spieles war.


Geboten wird dennoch eine ganze Menge - es gibt 9 Welten mit jeweils 10 Leveln, wobei der Letzte sich erst dann öffnet, wenn man alle vorherigen einer Welt geschafft hat. Dies dient im NES-Spiel zum Öffnen eines Castlelevels mit einem Levelendboss - beim Amiga gibt es statt Actionkampf halt nur ein weiteres Knobellevel - aber das hat es meist in sich! Insgesamt warten also 90 Bildschirmlevel auf die Lösung vom Spieler - Respekt...

Doch um was geht es eigentlich? Natürlich um die Rettung der Welt des Protagonisten. Diese liegt nämlich verschneit hoch im Norden und wird von "bösen Flammen" bedroht, die die Eiswelt schmelzen und somit vernichten wollen. Natürlich wird der Spieler auserwählt, mit einem magischen Zauberstab, der Eis hervorzaubern kann, zu retten. Dies wird mit einem kleinen Intro verdeutlicht, wobei die Darstellung zwar recht klein, aber dennoch recht putzig gemacht ist - zumindest für NES-Verhältnisse. Da wollen wir nicht meckern. Nach dem Intro geht es zum Titelscreen, der mit allerhand Optionen zu gefallen weiß. Das Spiel kann man nämlich auch Speichern und somit jederzeit unterbrochen werden. Was auch interessant ist - ist der Leveleditor. Damit lassen sich alle Level entsprechend um/neugestalten - wenn man denn mag. Somit ist auch noch langer Experimentierspaß nach dem eigentlichen Durchspielen garantiert... sehr schön.


Und schon geht es ab ins Getümmel - wir starten das Spiel. Man bekommt eine Weltenkarte präsentiert, wo der Spieler komplett frei die Level auswählen und spielen kann - man muss also nicht der Reihenfolge nachgehen und kann schwierigere Level erstmal überspringen. Natürlich ändert es nichts daran, daß man dennoch irgendwann alle Level einer Welt komplett lösen muß, um in den letzten 10. Level einer Welt zu gelangen. Wir gehen hier aber der Reihe nach, denn das macht das Spiel automatisch, nach dem Lösen eines Levels. Auf der Karte gilt: rot gekennzeichnete Level wurden noch nicht geschafft, grüne schon und der gelbe Pfeil zeigt die aktuelle Welt.

Starten wir beim ersten Level in Welt 1. Wie schon gesagt, ein Level besteht immer aus einem einzigen Bildschirm. Darin befinden sich Gegner - zB. Flammen - die wir als mutiger Magier mit Eisblöcken löschen müssen. Einzelne Eisblöcke lassen sich wie bei Pengo in eine Richtung schieben - diese rutschen dann solange, bis sie irgendwo gegenkommen - im Idealfall aber auf oder gegen einen Gegner. Dann macht es Zisch, eine Dampfwolke erscheint und das Feuer ist gelöscht. Das Prinzip ist ziemlich simpel und einfach, gell? Damit es aber interessant wird, hat sich der NES-Hersteller Tecmo Ltd. aber so einiges einfallen lassen und limitiert. So kann unsere Figur nicht springen! Sie kann nur andere Ebenen erreichen, wenn diese nicht zu hoch sind - die Höhe entspricht dabei exakt der Höhe eines Eisblockes - ist es höher, Pech gehabt, geht nicht - denk dir was anderes aus. Dafür kann sie aber von ganz oben herunterfallen ohne Schaden zu nehmen...

  

Da meist aber nicht schon fertige Eisblöcke zum Wegschubsen in der Gegend rumstehen, kommt jetzt Magie ins Spiel. Man kann (je nachdem wohin die Figur schaut) bestehende Eisformationen, die sich exakt einen Block neben und unterhalb vom Spieler befinden entfernen - und somit aus 2 Blöcken (= nicht verschiebbar) einen einzelnen machen oder wenn sich dort ein Abgrund auftut, einen Eisblock erscheinen lassen. Das ist so in etwa wie bei Toddlers damals - nur halt auf unter einem liegende Ebenen gemünzt. Dh. alles was höher ist als die Spielfigur, ist unerreichbar - man sollte also immer schauen, daß man höher kommt, wenn dies benötigt wird.

Als Beispiel... eine Flamme ist auf der selben Ebene wie die Spielfigur. Dann sucht man sich einen Absatz, klettert hinauf. Direkt neben dem Absatz generiert man einen Eisblock - dieser klammert sich nämlich an diesen an und ist auch nicht mehr zu lösen. Auf diesen Eisblock geht man jetzt und macht daneben wieder einen Eisblock - jetzt haben wir zwei, die aneinander hängen. Gehen wir jetzt zurück zum Absatz und entfernen den ersten Eisblock, wird der einzelne von oben herunterfallen und - wenn wir herunterspringen und ihn in Richtung Flammen schubsen, diese löschen. Solche Kombinationen sind es, die das Spiel interessant machen - denn man wird später mit richtigen Kopfnüssen konfrontiert werden - das was ich beschrieb ist allerdings die Grundmechanik - diese muss man sich merken und dann sozusagen dem Level anpassen.


Gut daß man für´s Denken alle Zeit der Welt hat - denn ein Zeitlimit gibt es nicht. Hat man sich verrannt und ist ein Level unmöglich mehr zu lösen, kann man jederzeit mittels Feuerknopf und Joystick nach oben, den Level neu starten oder zum Weltenkarte zurückkehren.

Anfangs mischen sich leichte mit schwereren Leveln scheinbar willkürlich - durch einige rennt man wie nichts durch, dann kommt wieder ein Klopper dazwischen. Später hat man es aber fast nur noch mit Kloppern zu tun - spätestens ab Welt 4 geht es richtig rund. Hier hätte mir ein kontinuierlicher Anstieg der Schwierigkeit ein wenig besser gefallen, aber das kann man unmöglich den Amigakonvertierern ankreiden. Was ich toll fand, sind die später auftauchenden Röhren, mit dem man sich an andere Stellen im Level befördern lassen muss. Scheinbar wird hier aber die Höhenregelung außer Acht gelassen, mit der wir uns bei normalen Absätzen oder Eisblöcken herumschlagen müssen - hier kann man auch Höhen von zwei Eisblöcken übereinander problemlos erreichen, wenn sich am Absatz die Öffnung einer solchen Röhre befindet. Naja... eine Kleinigkeit, nicht mehr...


Die Level/Hintergrundgrafik ist schlicht und nicht animiert - aber das ist für ein Knobelspiel eh nicht so wichtig. Dafür bringen die Gegner Bewegung ins Spiel und auch die Spielfigur ist putzig anzusehen. Das Leveldesign ist auf den Punkt austangiert und aufgebaut - kann man Anfangs noch mehrere Lösungsansätze frei selber gestalten, wird später eine exakte Ausarbeitung wichtig um ein Level zu schaffen. Die Musik ist ebenfalls schlicht gehalten, aber durchaus abwechslungsreich geworden - für jede Welt gibt es eine eigene. SoundFX ist auch vorhanden, auch wenn nur spärlich - aber ausreichend.

Dafür kommt das Spiel in verschiedenen Formaten daher - die Disketten-ADF Version, eine zur Installation über die Workbench (laßt euch von den unterschiedlichen Versionsnummer nicht täuschen, die höhere beinhaltet nur die WB-Kompatibilität), WHDLoad ist ebenfalls vorhanden - wenn auch nicht wirklich benötigt, da es ja die WB-Version gibt und sogar das Amiga CD32 hat zwei "unoffizielle" Versionen von Drittanbietern erhalten - eine davon kommt sogar noch mit dem ersten Teil im Schlepptau. Somit kann man festhalten - das Spiel läuft auf allen Amigas wo gibt und das ist auch gut so. Sollte man beim gefakten Crackerintro allerdings keinen Text sehen, sondern nur Musik hören - drückt einfach die linke Maustaste zum Überspringen. Irgendwas beißt sich nämlich unter ECS-Konfigurationen, wie ich festgestellt habe - das Spiel hingegen läuft perfekt.


Fazit:

Die Aberkennung des Actionteils der Original NES-Spieles wirkt sich auf die Amigakonvertierung keinesfalls negativ aus - Solomon´s Key 2 ist ein gut durchdachtes und grundsolides Knobelspiel, welches lange für Unterhaltung sorgt - wenn man denn Denkspiele generell mag. Die Steuerung ist schnell erlernt und sehr präzise - die Grafik zweckmäßig und der Sound okay - schlicht und einfach gehalten, legt dafür aber jede Menge Wert auf Spiel und Knobelspaß. Damit dieser nicht getrübt wird, kann man das Spiel auf unterschiedlichen Speicherplätzen abspeichern um am nächsten Tag an der gleichen Stelle weiterspielen - zwischenzeitlich können auch andere das Spiel spielen und überschreiben nicht die Daten des anderen - es sei denn, sie machen es absichtlich. Die Schwierigkeit wird zunehmend fordernder pro Welt, wobei aber zwischendrin einige Level auftauchen, die in früheren Welten wohl besser aufgehoben wären - aber vermutlich passten diese vom (Grafik)Konzept erst in spätere Welten - aber dafür kann der Konvertierer freilich nichts. Daß das Spiel auf allen Amigas läuft ist lobenswert - auch wenn es sich dabei "nur" um ein NES Spiel handelt, so merkt man ihm dennoch seinen einstigen "kommerziellen" Faktor an und zeigt deutlich, daß Spielspaß nicht zwingend Bombastgrafik und sonstige mediale Effekthascherei braucht um gut zu sein. Wer sich auf das Spiel einläßt, wird merken was ich meine. Für mich persönlich eines der Highlights aus dem letzten Jahr und Pflichtprogramm für jeden Denkspaßfreund!

Positiv:

  • endlich neues Futter für Knobelfans
  • gut durchdacht und designt
  • viele Stunden Spielspaß
  • präzise Steuerung
  • Speicherfunktion
  • Leveleditor
  • läuft auf allen Amigas
  • kostenlos

Neutral:

  • manche Anordnung der Level von der Schwierigkeit her
  • Fakeintro läuft auf manchen ECS-Konfigurationen nicht richtig

Auf unserer Bewertungsskala fährt Solomon´s Key 2 gute 92% ein! Gerne bitte mehr davon!


Alle weiteren Infos und die kostenlosen Downloads aller Versionen gibt es unter diesem Link (engl.): http://hukka.yiff.fi/sk2/

Schlagworte : Amiga, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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