Amiga Tanks Furry im Test



Freitag 08 April 2016 von Trixter Amiga, Amiga Test 2 Kommentare

Wowhoa... ein neues hybrides Amiga-Spiel ist erschienen (als Kaufversion mit schicker Box, echter Diskette als Datenträger und als kostenlose Downloadvariante) - Tanks Furry - ganz klar, daß dieser Umstand zu einem Test führen mußte, welcher übrigens der erste wirkliche Amigaspieletest im Neme (aller Versionsnummern) ist. (was halt auch daran liegt, daß es eben nicht so häufig vorkommt, daß heutzutage noch etwas Kommerzielles für diese Computerfamilie erscheint)

Also werfen wir mal einen kritischen Blick auf das Machwerk...

Auf der polnischen RetroKomp/LoadError Party im letzten Jahr (Oktober 2015) wurde das Spiel in einer frühen Arbeitsversion präsentiert, die noch einen AGA Amiga mit Turbokarte und 4Mb RAM voraussetzte - die finale Version war aber angedacht, schon auf einem simplen Amiga 500 zu laufen. Dieses Ziel wurde leider - warum auch immer - nicht erreicht. Es läuft zwar auch auf den alten OCS/ECS Maschinen mit 1Mb Speicher, aber es will auf Teufel komm raus eine 020er CPU. (es meckert sogar, wenn nicht und startet erst gar nicht) Somit werden wohl nur recht wenige Ursprungs-Amigos mit CPU-Upgrade/Turbokarte in den Genuß des Spieles kommen - es sei denn, man hat einen A1200 - dort läuft das Spiel natürlich out of the Box... aber AGA-Zwang besteht nicht.

Doch um was haben wir es hier zu tun, mit dem uns das Project R3D beglücken möchte? Nun, im Grunde mit einem Mehrspielerarcadespiel, welches sich - auch gerade durch dem 4 Spieleradapter - für größere Runden wie Partys oder Zockersessions mit Freunden eignet. Natürlich kann man das Spiel auch Solo spielen, nur dann dürfte man eine ganze Menge Spielspaß verpaßen.

Das Konzept dieser Spiele ist uns auf einem anderen Computer recht bekannt - dem Commodore 64. Dort erscheinen an Neuheiten typischerweise 2 Arten von Spielen - jene die man von früher her kennt mit einem Intro, langem Gameplay und Ende (Vollpreis) und jene kleinen arcadelastigen Spielchen, die nur auf Punktehatz aus und meistens kostenlos sind. Neuerdings steigen auch immer mehr (kleinere) Publisher auf den Zug auf und bieten nebenher noch eine käufliche Variante mit Verpackungsbox, gedruckter Anleitung, Diskette, Goodies, ect. an. Das ist auch völlig okay so - wem ein Spiel so gut gefällt, daß er es als physisches Produkt in seine Sammlung aufnehmen will - soll das auch gerne so machen. Alle anderen können sich an der kostenlosen Version für lau laben und alle sind zufrieden. Daher begrüße ich diese Entwicklung jetzt auch im Amigasektor und hoffe, viele weitere Produktionen werden diesem Beispiel in Zukunft folgen - aber das nur am Rande erwähnt, zurück zu Tanks Furry.

Die/der Spieler steuern jeweils einen kleinen Panzer und müssen in den jeweilig einen Bildschirm umfassenden Leveln, alle gegnerischen Panzer zerstören. Und damit sind nicht nur die gemeint, die man auf den ersten Blick im Level erspäht - denn es gibt eine fest definierte Anzahl, welche der Spieler pro Level beseitigen muß - schießt man einen ab, teleportiert sich direkt irgendwo auf dem Screen ein neuer - bis die besagte (und nicht näher einsehbare) Anzahl erreicht ist - und das können schonmal gut und gerne 28 pro Level sein! Allerdings ist die gegnerische KI nicht besonders ausgereift - dh. situationsbezogene Taktik gibt es keine - die Dinger fahren einfach nur in eine Richtung, wenn sie anecken, fahren sie in eine andere und zwischendrin ballern sie in bestimmten Intervallen nach vorne raus. Das ist ein wenig schade, da man die Dinger sehr leicht überlisten kann und sie auch ein wenig den Schrecken verlieren, da man ihre Geschosse zudem noch abschießen kann.

Die Grundidee - seine eigene Burg oder Festung oder was auch immer das darstellen soll, am unteren Rand zu beschützen, kommt bei diesem Konzept natürlich nicht zum tragen. Würde ein Gegner diese Burg zerstören, ist das Spiel verloren. Aber ihr ahnt es schon - so schlau sind die Gegner gar nicht - selbst wenn sie bis in die Nähe der Burg kommen, fahren sie einfach weiter - es muss schon ganz blöder Zufall sein, wenn sich ein gegnerischer Schuss in Richtung Burg verirren würde. Schade, diese Chance wurde einfach vertan und es ist viel wahrscheinlicher, daß man die Burg im Eifer des Gefechtes durch einen Fehlschuss selbst zerstört - vor allem im Multiplayermodus. Somit bleibt es dabei - kille alle feindlichen Panzer um in den nächsten Level zu gelangen.

Hin und wieder tauchen (für kurze Zeit, bzw. können Schüsse sie zerstören) Items auf dem Spielfeld auf, die man einsammeln kann. Diese bewirken diverse Dinge, zB. Level erfolgreich beenden, Unverwundbarkeit oder sonstwas - keine Ahnung, ich konnte bei einigen nicht herausfinden, was sie bewirken sollen - manche bringen noch nicht einmal Punkte, wie diese hüpfenden Männlein, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Da mir aber auch keine weiteren anderen Waffen, ect. aufgefallen sind, kann ich nicht wirklich groß etwas dazu sagen - bei meiner Spielsession, die 5 Level umfaßte, sind mir sonstige erwähnenswerte Features oder Bonusfunktionen nicht aufgefallen. Was man aber auf jeden Fall meiden sollte, sind die Icons mit Totenschädel - die zerstören den eigenen Panzer direkt und ohne Nachfrage. 

Vor Spielbeginn kann man einige Optionen einstellen - zB. den Schwierigkeitsgrad in 2 Stufen, ob es "freundliches Feuer" gibt, die Rundenanzahl und wie viele Mitspieler mitspielen. Meidet aber unbedingt ein "Versus" Spiel zu starten, wenn die Option falsch einsteht, der Mehrspieleradapter fehlt oder weniger Joysticks angeschlossen sind - bei mir hing sich das Spiel dann einfach auf.

Der Zweispielermodus ist im Grunde identisch zum Solomodus - nur eben mit zwei Spielern, bzw. zwei Panzern, die von den Spielern gesteuert werden. Man kann sich gegenseitig abschießen, nur bringt das rein gar nichts - man verliert keines seiner anfänglichen 9 Leben. Hier muss man wie gehabt, auch alle Gegner plätten, fertig. Den Versus-Modus konnte ich aus Ermangelung des Hardwareadapters und Mitspieler leider nicht testen - ich vermute aber mal, dort geht es dann nicht gegen Computergegner, sondern gegen die Mitspieler - aber darauf gebe ich keine Garantie, daß es so ist.

Das Spiel ist eine große Datei, die gerade so auf die Diskette paßt, ein viel zu kleines Intro leitet in das Spiel ein (ist aber ansonsten ganz okay), die Musik (gibt wohl nur die im Titelbild) könnte irgendwann anfangen zu nerven, ansonsten ertönen SoundFX im Spiel selber. Die Grafik ist knuffig, bietet aber nicht wirklich etwas neues, die Animationen sind schlicht und einfach. Bleibt immer noch die Frage, warum eine 020er CPU?

Was ich persönlich auch nicht verstehe ist, warum der Käufer der Diskettenversion auch zusätzlich noch die CD Version kaufen muss? Und warum wird das Spiel überhaupt auf CD angeboten? Nach meiner Recherche ist auf der CD auch nichts anderes drauf als auf der Diskette - keine Mehrdaten, keine CD-Musik und keine Goodies. Es hat sogar noch einen Nachteil - eine CD ist nicht wiederbeschreibbar. Da in letzter Zeit immer wieder neue Versionen des Spieles veröffentlicht werden, wird der CD Käufer das Ding eh in die Ecke werfen und sich lieber die aktuellste Version aus dem Netz saugen - bei der Disk ist das noch anders. Aber naja, hinterfragen wir das lieber mal nicht - ich weiß nur - ich würde keine 38 Zlotys plus Porto (zusammen ca. 14 Euro) für beides aufgrund eines Zwanges bezahlen.

Fazit:
Tanks Furry ist ein kurzweiliges Multiplayerspiel, welches in illustrer Runde sicher für ein paar Runden gut ist - nicht mehr und auch nicht weniger. Solospieler werden sich hingegen nach ein paar Leveln eher langweilen, da auch der Schwierigkeitsgrad viel zu untertrieben ist, bzw. das Spiel durch eine lausige KI und vertaner Spielelemente, die sich geradezu anbieten würden, viele Möglichkeiten einfach so verschenkt. Die einzige Hoffnung die noch bleibt ist, daß die Macher einige Dinge in Zukunft ändern, erweitern und verbessern. Damit sind auch die sonderbaren Kaufbedingungen und 020er CPU Zwang gemeint - für mich unvorstellbar, warum das so ist. Höchstwahrscheinlich (vermutlich) wurde das Spiel auf genau dieser CPU entwickelt und man bekam das später nicht mehr geändert, daß es auch noch optimal auf anderen läuft.

Hinweis für Emulatoren-Nutzer: einen AGA Amiga zu emulieren ist eine schlechte Idee, da das Spiel hier einfach viel zu schnell läuft. Emuliert ein ECS System - aber mit 020er CPU, dann klappt es so wie es soll. Originalhardware ist davon nicht betroffen - auch nicht mit höheren CPU´s (hab das mit meiner 060er Blizzard getestet).

Positiv:

  • neues (kommerzielles) Amigaspiel
  • 4 Spieleradapterunterstützung
  • niedliche Grafik/Animationen
  • Mehrspieler/Partytauglich
  • fairer Preis (CD Version)

Negativ:

  • miese Gegner-KI
  • zu leicht
  • verschenkte Features im Gameplay
  • 020er CPU-Zwang
  • CD-Kaufzwang bei Diskversion

Aktuell fährt Tanks Furry bei uns nur eine mittelprächtige Wertung von 55% ein.

Download der kostenlosen Versionen über das Aminet: http://aminet.net/search?query=tanks+furry

Käufliche CD-Version: http://amiga.net.pl/index.php?lng=eng&kwt=10010&tms=42
Käufliche Disk-Version: http://amiga.net.pl/index.php?lng=eng&kwt=10010&tms=45

Schlagworte : Amiga, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
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Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

  • Kommentare

  •  TheoTheoderich
     #1 schrieb am 28 April 2016

    Meines Erachtens ist der Test nicht sehr gelungen.

    Gerade der Versus-Modus macht einen großen Teil des Spielspasses aus. Und ist zu zweit auch ohne Adapter spielbar....man braucht natürlich einen Mitspieler.
    Aber wenn ich schon ein Mehrspieler Game teste, dann sollte man das im Vorfeld berücksichtigen und einen Mitspieler rankarren.

    Alle Bonus Objekte und auch die "Männchen" sind im Handbuch ausführlich erklärt, ob eine Anleitung bei der reinen Download Version dabei ist, weiss ich allerdings nicht.

    Beim CD "Zwang" habt Ihr Recht, das verstehe ich auch nicht.

  •  Trixter
     #2 schrieb am 28 April 2016

    @TheoTheoderich : Nein, sowas wie ein Handbuch oder Kurzbeschreibung gibt es in der Downloadvariante leider nicht - daher auch das "Stochern im Dunkeln" an manchen Stellen im Text. Klar handelt es sich bei dem Spiel in erster Linie um ein Multiplayergame - aber soll ich aufgrund Ermangelung eines Mitspielers auf den kompletten Test verzichten und mir nur noch Soloplayerspiele vornehmen? (das war jetzt allgemein gemünzt, bei dem Spiel hier fehlte mir der Mehrspieleradapter samt 2 weitere Mitspieler - den Zweispielermodus habe ich ja getestet - nur den 3 oder 4 Spielermodus nicht) Ich denke, ich habe es gut gelöst, indem Mulitplayerteile (hier 4Player) nur kurz (aber positiv) erwähnt wurden, aber nicht in die Bewertung eingeflossen sind. Es ist ja ein nettes Spiel und es freut mich, daß du deinen Spaß damit hast, aber es hat einige grobe Schnitzer (Mehrspieler hin oder her), die zu einer mittelprächtigen Bewertung geführt haben - wären diese nicht, hätte es den 80% Bereich locker geschafft... wink

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