Atari: Anarcho Ride im Test!



Donnerstag 19 November 2015 von Trixter Atari, Atari Test keine Kommentare

Willkommen zur Premiere! Hiermit "weihen" wir die neue Atari-Test Rubrik als neuen Content im Nemesiz feierlich ein - und dies mit einem richtigen Megatest zu einem aktuellen Atari ST Spiel, nämlich Anarcho Ride!


Geplant war er übrigens schon länger (wie anderer Content auch), aber durch meinen PC-Hardwareausfall vor wenigen Wochen, der vielen sonstigen Arbeit und der knappen Zeit, kommt dieser Test erst jetzt. Zwischenzeitlich gab es auch (bis zu diesem Test unbemerkte) Probleme mit der Slideshow/Lightboxfunktion - da beißt sich irgendein Update mit irgendeinem Plugin - und ich mußte auf die Schnelle eine alternative Funktion in den Blog einbauen... sicher habt ihr es schon bemerkt, daß wenn ihr jetzt im Blog auf ein Bild klickt, es in einem Overlay dargestellt wird und man alle weiteren Bilder auf der Seite über Pfeile am unteren Bereich, ebenfalls "nachladend" darstellen lassen kann. Diese "Notlösung" bleibt erstmal aktiv, bis ich die tatsächliche Ursache gefunden und behoben habe...

Doch zurück zum neuen Atari ST(e)/Falcon Spiel Anarcho Ride...

Das Spiel machte schon im Vorfeld durch diverse BETA Versionen auf sich aufmerksam (ich wurde zuerst im Oktober diesen Jahres darauf aufmerksam und postete einen kurzen Trailer samt spärlichen Infos - siehe: http://nemesiz4ever.de/index.php?article323/atari-ste-falcon-spiel-anarcho-ride)

Um den Programmierer Thomas Ilg versammelten sich zahlreiche kreative Leute - etwa Alan Garrison Tomkins (Grafik) oder XFALCON (Musik) - zu einem recht internationalen Team aus den Ländern Österreich, Deutschland und England um das Spiel, welches in einem ungenutzten und unfertigen GFA-Basic Code vorlag - zu einem finalen Spiel zu entwickeln. Dies ist ihnen gelungen!

Das Spiel wird völlig kostenfrei auf der Homepage in diversen Paketen zum Download angeboten (Link am Ende des Tests), welche - vermutlich um möglichst viele Atarianer anzusprechen - in Englisch gehalten ist. Neben der reinen Diskettenversion gibt es auch ein Archiv mit den Spieldateien (für HD) - oder, wer gleich auch noch das Erweiterungspaket (ja, das Spiel bringt auch noch eine Erweiterungsdisk mit - kommen wir noch drauf zu spechen) herunterladen will, kann dies ebenfalls in beiden Varianten tun - wobei es auch Pakete gibt, wo zudem das Spiel auch nochmals mit enthalten ist. Diese enorme Vielfalt fällt schonmal sehr positiv dabei aus - denn ein HD Installer befindet sich auf der ersten Diskette - hier wird es also jedem irgendwie recht gemacht, auch denen, die zu faul sind, das Spiel manuell selber zu installieren.

Bevor ich nun näher auf das eigentliche Spiel eingehe, muss ich noch darauf zu sprechen kommen, für welche Systeme es überhaupt gedacht ist. Nun, vom Prinzip her, würde es - mit Ach und Krach, sprich, nach deaktivieren diverser Optionen - auch auf einem Standard Atari ST mit 1Mb Speicher laufen. Dies geht allerdings auf Kosten der Details, des Sounds und der Geschwindigkeit - mehr Speicher und Power wäre auf jeden Fall anzuraten, soll sich das Ganze relativ flüssig spielen lassen. Ein Atari STE (Minimum 2Mb) reicht aber durchaus aus um die "Kernessenz" des Spieles zu spielen - dh. alle höheren Maschinen wie der Atari MegaSTE oder Falcon (betrieben mit 16Mhz) bieten zwar die oberste "Ausbaustufe" des Spieles, aber das ist in meinen Augen eher als zusätzlicher Bonus zu bewerten (kommen wir noch zu). Ich habe diverse Maschinen mit dem Spiel (meist emuliert) gefüttert und konnte die Unterschiede oder Vorteile gut beobachten.

Direkt nach dem Start gelangt man via Tastendruck in die Optionen des Spieles - wartet man kurz ab und drückt keine Taste, lädt das Spiel direkt ins Intro weiter - welches wiederum abgebrochen, bzw. übersprungen werden kann.

Das kurze Intro selbst ist zwar nichts besonderes, aber es läutet sozusagen den Stil ein, der sich durch das gesamte Spiel ziehen wird - völlig abgedreht, überzogen und ironisch - das gefällt mir recht gut (die Leute die meinen Humor und meine Art kennen, wissen wovon ich rede) und liegt voll auf meiner Wellenlänge. Diese witzige Art macht natürlich auch nicht beim nachfolgenden Sprachauswahlscreen halt - wobei neben Deutsch, Englisch, Spanisch, Polnisch, auch die überaus wichtige Sprache "Vorarlbergerisch" gewählt werden kann, was zudem für den ein oder anderen Schmunzler sorgen kann. Danach kommt man direkt in eine Art Spielmenü, wo der geneigte Spieler sozusagen sein eigenes Profil erstellt. Das Spiel ist zwar ein reines Soloplayerspiel, aber über diese Profile können mehrere Spieler ihre errungenen Fortschritte unabhängig von einander anlegen und spielen. Ich denke da zB. an mehrere Familienmitglieder oder in illustrer Runde mit mehreren Mitspielern, die dann nur halt hintereinander spielen müssen.


Hat man sein Profil mit der Vergabe seines Namens angelegt, kann man mit den Pfeiltasten am Rand durch zahlreiche Bildschirme wechseln um so zB. seinen gewünschten Wagen oder eine Strecke auszuwählen. Beim jungfräulichen Spiel (also ohne das Expansions Pack) gibt es 8 Strecken und 4 Wagen zu Auswahl, wobei einige davon erst freigeschaltet werden müssen. Dies geschieht über Herzen, die man im Spielverlauf als Gewinne einstreichen kann, wenn man eine Mission erfolgreich erfüllt hat - aber Vorsicht, wer die Mission versemmelt, bekommt ebenso eine gewisse (aber vorher einsehbare) Anzahl Herzen wieder abgezogen!


Hat man alles nach seinen Wünschen eingestellt, kann es auch schon mit dem eigentlichen Spiel los gehen. Nach Auswahl einer Strecke (es empfiehlt sich von Vorne anzufangen um Herzen für die Freischaltung höherer Strecken einzusacken), kann man das Spiel in zwei Modis starten. Bei "Ein schneller Ritt" kann man die Strecke (ohne Verluste) ersteinmal kennenlernen - ansonsten kann man ein Feld darunter bei "Deine Wette" diverse Missionen starten (über Pfeiltasten anwählbar), die unterschiedliche (und teilweise bescheuerte Aufgaben vorsehen, etwa 2 Titanics mit Raketen zu versenken), welche je nach Beendigung entweder neue Herzen auf sein Konto gutschreiben oder eben als Verlust abgezogen werden. Einige Strecken haben übrigens mehr Missionen als andere, manche wiederholen sich auch, zB. ohne großen Schaden durch das Level zu gelangen - aber insgesamt gesehen, ist es ein ganz witziges Feature, zumindest am Anfang. Was mich nur ein wenig gestört hat - man kann zwar die Missionsauswahl abbrechen um wieder zurück zur Modusauswahl zu gelangen, aber aus dem Menü kommt man scheinbar nicht mehr heraus, um zur Streckenauswahl zu kommen, was bedeutet, daß man erst diese Strecke durchspielen muss, ehe man eine andere auswählen kann.


Nun denn, laßt das Rennen beginnen! Okay, von einem Rennen im klassischen Sinn ist das Spiel meilenweit entfernt, da es weder Platzierungen, noch Runden, noch Mitraser gibt - vielmehr ist das Ziel, durch das Level zu heizen - welches vom Prinzip eher noch an eine Rally erinnert, da es dort auch einen Start und einen Endpunkt gibt - und je nach Modi - die entsprechende Mission erfüllt werden muss. Die anderen Vehikel auf der Strecke sind Kanonenfutter - man kann diese ohne eigenen Schaden zu nehmen, rammen (wodurch diese explodieren), aber auch mit (begrenzten) Raketenbeschuss vom Bildschirm pusten. Raketen können während der Fahrt wieder durch überfahren des entsprechenden Symboles aufgestockt werden - Stück für Stück. In späteren Leveln geht einem auch schonmal der Sprit aus - dieser wird übrigens (total logisch natürlich) mittels überfahren von Kakteen wieder aufgefrischt (darauf muss man erstmal kommen!). Nachdem man das mit großen Pfeilen gekennzeichnete Ende erreicht hat, erhält man Bescheid über Gewinn oder Verlust von Herzen und einige andere Statusinfos. Das wäre es vom Prinzip her auch schon gewesen.


Irgendwann wird man soweit sein, genügend Herzkapital erreicht zu haben, um die restlichen Strecken und Wagen freizuschalten und giert förmlich danach - sobald man alles einmal gespielt hat - auf die Inhalte des Expansionspacks. Dieses läßt sich recht einfach nutzen, indem man die entsprechende Disk in ein Laufwerk legt und den Knopf "Scan Disk" betätigt. Nach diesem "Upgrade" findet man 9 weitere Strecken und 3 weitere Vehikel im Spiel wieder - aber man merkt auch, daß das Spiel nun noch weiter aufdreht. So kann man zB. ein kleines UFO mit grünem Männlein als Fahrzeug auswählen und viele der neuen Strecken finden auf abgedrehten Schauplätzen statt, etwa im Himmel über Wolken oder im Wasser, ect.

Schauen wir uns die technische Seite des Spieles näher an. Daß es nicht das flotteste Spiel ist, weiß das Spiel (laut Intro) ja schon selber - wenn man aber bedenkt, daß es Basic als Unterbau verwendet, muss man ihm schon eingestehen, daß es sehr gut umgesetzt wurde - nur ist leider ein Standard-ST nicht flott genug. Hat man aber eine entsprechend schnellere Maschine, entsteht tatsächlich so etwas wie flüssiges Spielvergnügen. Die Grafik ist eher zweckmäßig, als daß sie tatsächlich passend zu den Möglichkeiten der Rechner wäre - aber das muss nicht zwingend nachteilig sein. Ich würde sie irgendwo zwischen C64 und Amiga einschätzen - ohne den Machern irgendwie auf die Füße mit diesem Vergleich treten zu wollen - generiert aber so natürlich eine eigene Art. Zu Gute halten muss man, daß man alle Dinge auch als solche erkennt - besonders bei den ausgefeilten Automodellen merkt man die Liebe zum Detail. Großartig viele Animationen sucht man aber vergebens - ist auch nicht weiter schlimm, da man im Eifer des Gefechtes, eh nicht groß auf das Drumherum achtet.

Die Ladezeiten von Diskette gehen in Ordnung - schneller geht es natürlich via Festplatteninstallation, aber sie sind auch von Disk relativ flott und ertragbar.

Die Musiktracks sind sehr gut gelungen und eingängig - zwar hat nicht jede Strecke einen eigenen Song, aber es gibt immer was auf die Ohren, auch wenn man das Lied schon im letzten Level hörte. Manche Tracks sind so genial abgedreht, daß man sich richtig darauf freut, mit ihnen fahren zu dürfen! Die SoundFX sind passend, wenn auch nicht wirklich etwas besonderes... ist okay.


Schön ist die Möglichkeit, das Spiel durch zusätzliche Erweiterungspakete ausbauen zu können. Ob allerdings die zahlreichen Fahrzeuge sich wirklich unterschiedlich verhalten, wage ich zu bezweifeln - mir ist jedenfalls jetzt nichts aufgefallen, was sie im Spiel von den anderen Modellen unterscheiden würde (bis auf die grafische Darstellung natürlich). Die Missionen sind eine neue Idee, auch das Sammeln von Herzen zum Freischalten von Inhalten - allerdings kann man über die ersten Missionen (bei Erfolg) genügend einsacken um danach alle Inhalte des Spieles zu bezahlen, was sich nicht gerade auf die Langzeitmotivation auswirkt. Okay, ich und mein Jüngster hatten einige Stunden Spaß mit dem Spiel - hat man aber alle Strecken erfolgreich gemeistert, gibt es keine Ziele mehr, die man erreichen könnte - außer seinen eigenen Streckenrekord zu schlagen, das ist ein wenig schade, da das Spiel halt auch kein Ende kennt. Sterben kann man anscheinend auch nicht - man kann rammen was man will, ohne Schaden zu nehmen, fährt man zu weit von der Strecke, explodiert zwar der Wagen, aber auch das scheint unendlich oft wiederholt werden zu können.

Die Steuerung ist präzise und reagiert auf diversen Untergründen - etwa Schnee und Eis - entsprechend. Die Strecken sind allesamt unterschiedlich gestaltet und beinhalten neben einen eigenen Verlauf, eigenem Design und Thema, auch diverse Kurven und Berge - der Verkehr ist mal mehr oder weniger, inkl. neuen Fahrzeugen vorhanden und Raketenabschüsse bringen mehr Punkte als simples Rammen.

Kommen wir zu der ganz am Anfang erwähnten "Kernessenz" zu sprechen. Das Spiel läuft so wie es ist, wunderbar auf einem Atari STE - wer aber über eine noch höherere Maschine verfügt, kommt in den Genuß weiterer Extras. Im großen Ganzen sind diese Dinge aber nicht spielentscheidend. Zb. der gesampelte Sound, der zusätzlich aus den Lautsprechern dröhnt - er ist vielleicht beim ersten Mal ganz nett anzuhören (zB. der Motorensound), aber immer identisch und vor allen Dingen viel zu laut - er überlagert einfach alles, auch die schöne Musik. Wer bei jedem Crash das Geräusch vernimmt, als wenn man eine Glasscheibe in einen Metalleimer wirft, wird wissen was ich meine - für mich hätte es diese Extrasounds jetzt nicht gebraucht - aber wer seine Nachbarn damit in den Wahnsinn treiben möchte, schaltet diese über die Optionen halt mal zu - Anfangs machte es Sohnemann extrem viel Spaß, alles und jeden zu Crashen, nur um diesen Sound zu produzieren - aber irgendwann nervt es ihn auch einfach nur noch.


Fazit:

Anarcho Ride ist mit anderen Rennspielen absolut nicht vergleichbar. Wer aber keinen Anspruch darauf legt, ein bierernstes Spiel vorgesetzt zu bekommen und gerne mal den Freizeitrambo auf der Straße spielen will, der könnte durchaus Gefallen an diesem witzigen und ironischen Spiel finden. Der Reiz verpufft zwar schnell, nachdem man alles gesehen hat - aber aufgrund der kurzen Spielzeit pro Strecke, lädt es doch hier und da für eine flotte Runde ein. Ich könnte mir auch gut vorstellen, daß es der Brüller auf irgendwelchen Partys werden könnte, wo sich die Leute gegeneinander messen und auf Rekordjagd gehen.

Da die Macher scheinbar ihr Spiel weiterentwickeln, könnte ich mir durchaus auch noch vorstellen, daß das Spiel zukünftig über ein Update oder Erweiterungspack mit neuen Missionen versorgt, bzw. weiter am Gameplay gefeilt wird. Evtl. könnte man noch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und ein Endziel einbauen, um den Spielern noch mehr Spielanreize zu bieten.

Das Spiel erhält auf unserer berüchtigten Skala von 1 bis 10 eine glatte 7 - Atarianer mit entsprechender Hardware wird empfohlen, sich das Spiel selber zumindest einmal näher unter Augenschein zu nehmen.

Positiv:

* über Zusatzdiskette(n) erweiterbar
* sehr gute Musikuntermalung
* interessante Missionen
* viele Einstelloptionen zur Anpassung an eigene Hardware
* läuft auf vielen Atari ST/Falcon Modellen
* ironischer Witz
* neues Spielefutter für Atarianer
* völlig kostenlos

Neutral:

* grafische Möglichkeiten (Rechner könnten eigentlich mehr)
* viel zu leicht - es werden viel zu viele Herzen zum Freischalten nach den Missionen ausgeschüttet
* der viel zu laute Bonus-Krach 
* keine Möglichkeit zurück von den einzelnen Leveln zur Levelauswahl (abbrechen)

Negativ:

Bei der Art von Spiel verbietet es sich, hier etwas als negativ anzuprangern. Erstens gab es wirklich nichts gravierendes oder so störendes, zweitens handelt es sich um ein kostenloses Spiel und drittens sehe ich noch zukünftiges Potential zum verbessern.

Das Team hat mit Anarcho Ride wirklich etwas tolles geschaffen, was gut spielbar und unterhaltsam ist und einem ein Lächeln auf´s Gesicht zaubert - auch wenn es nur von kurzer Dauer ist. Ein Fun-Racer eben, der sich selber nicht zu ernst nimmt.

Anarcho Ride ist völlig kostenlos für eine ganze Reihe von Atari ST/Falcon-Modellen auf der eigenen Webseite herunterladbar. (Expansionspacks ebenso)
http://www.hd-videofilm.com/anarcho

   

Schlagworte : Atari, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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