RaspberryPi 2 Update - Problemlösungen und Funktionen



Dienstag 13 Oktober 2015 von Trixter Tutorial RaspberryPi keine Kommentare

Nachdem in diesem Sommer die offizielle Raspberry Pi -Tutorialreihe abgeschlossen wurde und ich nur noch erweiternde Tutorials zu einem bestimmten Thema erstellen oder auf eure gesammelten Fragen eingehen wollte (was eigentlich auch meine Intention zu diesem Tutorial war), muss ich gleich am Anfang eine akute aktuelle Warnung loswerden: kommt blos nicht auf die Idee, aktuell euer Pi2-System mit Noobs neu aufzusetzen - ihr werdet am Ende einen Raspi erhalten, der in einem schwarzen Bildschirm hängen bleibt. Warum, was dagegen zu tun ist und natürlich eure weiteren Fragen, die mich zu anderen Dingen erreicht haben, werde ich in diesem Tutorial abhandeln...

Systemcrash durch Noobs?

Im Moment häufen sich bei mir diese Fälle - auch ein Selbstversuch meinerseits brachte mich an denselben Punkt, daher ist dieser Fehler reproduzierbar und sollte ernst genommen werden - Noobs scheint in Kombination mit der neuesten Raspianversion vom 24.9.2015 auf dem RaspberryPi 2 nicht mehr zu funktionieren. Es läßt sich zwar herunterladen und installieren, aber danach sieht man ganz kurz einige Textzeilen, welche schnell wieder verschwinden und danach bleibt der Bildschirm ewig schwarz und somit das Betriebssystem unbenutzbar. Das betrifft sowohl das Komplettpaket Noobs, als auch Noobs Lite, welches das Betriebssystem aus dem Netz nachschaufelt - im Grunde kein Wunder, da es sich eben um genau das selbe handelt.

Das bedeutet für Leute, die gerade jetzt auf die Idee kommen sollten, ihr System platt zu machen um zur aktuellen Version zu greifen - Finger weg! Das bedeutet für Neukunden, die sich einen RaspberryPi 2 gerade neu gekauft haben und das System selber auf SD-Karte aufspielen wollten - Finger weg! (evtl. sind die vorinstallierten Noobs-Karten, die manche Händler vertreiben, nicht betroffen, sofern diese über die Vorgängerversion verfügen. Da man dies aber nicht weiß, ist das Risiko groß, daß man auch gleichzeitig eine Karte bekommt, wo die aktuellste Version aufgespielt wurde, daher auch hier - Finger weg!)

Wer hingegen ein bestehendes Raspbiansystem via Updatebefehl updatet, bekommt diese Probleme übrigens nicht - das wird auch der Grund sein, warum das Problem noch nicht wirklich bemerkt wurde und im offiziellen Raspi-Forum angekommen ist. Wer spielt auch alle Nase lang ein neues Image auf, wenn das System prima läuft? Anmerken möchte ich zu diesem Thema noch folgendes... wer meint, daß er dieselben Funktionen oder Änderungen durch normales Updaten via Bash erhält, wie sie in den offiziellen Images enthalten sind, der irrt. Das System ist nach dem Updaten nicht auf dem selben Stand, wie als wenn man ein neues Image von der Herstellerwebseite heruntergeladen und installiert hätte - aber das nur nebenbei, denn das ist ein Ding, was mir bislang auch nicht begreiflich war - warum bringt man solche Änderungen nicht einfach in den regulären Updates unter? Denken die sich, daß die User ihr einmal sorgsam aufgebautes und eingerichtetes System aufgeben, nur um sich den Spaß alle halbe Jahre wieder neu anzutun? Hm...

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Meine Vermutung für diesen Fehler ist folgende: Es gibt zwar unterschiedliche RaspberryPi-Modelle, aber es werden keine unterschiedlichen Betriebssysteme angeboten, die für die jeweilige Hardware zugeschnitten, bzw. angepaßt sind. Somit gibt es nur ein Betriebssystem was auf allen Modellen laufen soll - die "Feinheiten" werden allerdings durch unterschiedliche Kernel ermöglicht. Ich glaube, da ist irgendwas mit der richtigen Kernelzuweisung schief gelaufen - deswegen lädt wohl der Pi2 den falschen Kernel und bleibt beim Bootprozess einfach hängen. Da das Ausblenden der Statustexte (schwarzer Bildschirm) wohl ein neues Feature der neuen Betriebssystemversion ist, wird noch nichtmal mehr ein Fehler ausgespuckt - Feierabend, Pech gehabt... auch diese Vorgehensweise vom Hersteller ist mir ein Rätsel.

Betroffene sollten im Moment auf BerryBoot umsteigen - das macht zwar auch Macken, aber die kann man Gott sei Dank selber fixen...

Der Retter in der Not - BerryBoot

BerryBoot wird einfach heruntergeladen und der Inhalt auf eine frisch FAT32 formatierte Micro-SD-Karte entpackt. Danach einfach den Schritten auf dem Bildschirm folgen und Raspbian downloaden und installieren lassen. (eine genauere Anleitung findet sich in meinen früheren Tutorials wieder, weshalb ich hier nur grob und schnell darauf eingehe)

Danach müßt ihr unbedingt die Config.txt bearbeiten - ihr werdet feststellen, daß dort zwei Kernelbefehle drin stehen, welche beide abgearbeitet werden. Das ist natürlich Unsinn und bringt ein recht eigenwilliges Verhalten des Pi2´s an den Tag - ua. werden die Overscan-Funktionen zur Bildschirmanpassung komplett ignoriert. Kommentiert den Aufruf für den Pi1er Kernel mit einer "#" aus, ehe ihr den Text speichert und das System bootet!

#[pi1]

#kernel=kernel_rpi_aufs.img

Neuinstallierer sind hier jetzt fertig und können den nächsten Punkt überspringen, falls es sie interessiert, was sich in ihrer neuen Betriebssystemversion im Gegensatz zum Vorgänger verändert hat oder direkt wieder mit ihrem System arbeiten...

Produziert BerryBoot Filesystemfehler?

Ja, in der Tat... das tat eine frühere Version ganz gerne, da es für die neuen Pi2 Modelle noch nicht ganz angepaßt war. Änderungen (wie Bearbeitung der Config.txt, Speichern von Daten, ect.), aber auch simples Neubooten, konnten Fehler im Dateisystem verursachen. Kein großes Ding, da man es mit BerryBoot auch gleich wieder fixen konnte - aber es nervte. Sollte euer System zu ähnlichem Verhalten neigen, solltet ihr BerryBoot updaten! Mit der neuen Version sind mir noch keine Filesystemcrashs mehr aufgefallen, bzw. wurden sie, wenn es sie noch gibt, spürbar reduziert und sollten die Ausnahme bleiben. Aber wie updatete man BerryBoot? Ganz einfach - über den Add-OS Knopf - also so, als wollte man ein weiteres System hinzufügen. Gibt es ein Update, dann wird sich BerryBoot von selber melden und dieses anbieten zu installieren. Beachtet aber: Durch das Updaten wird die "config.txt" Datei durch eine neue ersetzt! Daher empfiehlt es sich, die alte bestehende zuvor zu sichern und die alten Daten ergänzend in die neue wieder hineinzukopieren, bzw. einzustellen. Das kann man zB. einfach über Leafpad machen... und vergeßt nicht den falschen Kernel wie einen Absatz weiter oben beschrieben anzupassen! Alle anderen Daten oder euer bestehendes System bleiben unangetastet - ihr verliert also bis auf die config.txt keine weiteren Daten, wenn ihr BerryBoot updatet!

Änderungen in der neuen Raspbianversion

Die wohl wichtigste Änderung - ein frisch aufgesetztes System bootet nicht mehr automatisch in die Einstellungen. Dafür gibt es im Menü jetzt eine GUI-Oberfläche. (Menubutton/Einstellungen/Raspberry Pi Configuration) Auch gibt es keine Statustexte mehr beim Booten - der Bildschirm wird für diese Zeit ausgeblendet (bleibt schwarz) und startet direkt und ohne Paßwortabfrage ins Betriebssystem Raspbian durch. (was übrigens interessanterweise noch fixer geht als vorher - das werte ich mal als Pluspunkt!)

Alternativ könnt ihr das alte Einstellprogramm aber wie gewohnt mit "sudo raspi-config" über die Bash eingegeben starten.

Es gibt außerdem keinen Raspi-Shop mehr. Der frühere Partner Indiecity streicht wohl die Segel und in Folge dessen, hat man den Shop aus dem System getilgt. Das Icon, bzw. Programm ist verschwunden, allerdings hat man das (mal wieder) nur halbherzig gemacht und seine "Reste" blockieren jetzt bestimmte Einstellungen in der Taskleiste (zB. wird es euch nicht gelingen, einen anderen Browser in der Leiste unterzubringen, da das alte Shopicon eine Aktualisierung der tatsächlich installierten Programme und somit ihrer Icons blockiert). Icons in der Taskleiste ändert man übrigens, indem man ein Icon mit der rechten Maustaste anklickt und "Anwendungsstartleiste Settings" auswählt. Über "Entfernen" kann man dann ein Icon aus der Leiste nehmen oder ein neues durch "Hinzufügen" aus der rechten Auflistung einbinden. In unserem Fall blockiert ein "Pi Store" unter "Internet" - ohne Icon - die Auswahl neuer Programme. Dieser Fehler muss zuvor gefixt werden, ehe diese Funktion wieder funktioniert. Die Datei "pistore.desktop" unter "usr/share/raspi-ui-overrides/applications" muss gelöscht werden - dazu sind allerdings Rootrechte nötig...

Wer normal geupdatet hat, wird den Shop scheinbar immer noch vorfinden. Allerdings kann man sich nicht mehr neu registrieren und wie lange die Seite noch online und benutzbar bleibt, ist die große Frage. Da der Anbieter auch keine neuen Alternativen aufzuweisen hat, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Inhalte verschwinden - wer kann, mag oder muss, sollte sich jetzt alles benötigte herunterladen und separat sichern.

Die Taskleiste befindet sich jetzt oben (kann geändert werden, indem man auf einen freien Bereich der Taskleiste mit der rechten Maustaste klickt und "Panel-Einstellungen" auswählt - die Position kann dann unter "Rand" neu festgelegt werden) und einige Einstellungstools sind verschwunden (etwa das zur Bildschirmauflösung), dafür ist LibreOffice (OpenOffice) schon vorinstalliert. (ob es noch weitere neue Tools gibt, weiß ich nicht, diese würden wenn auch nur wieder auf irgendeine Entwicklungsumgebung gemünzt sein, welche mich nicht wirklich interessiert - daher kommen wir zum Schluss noch auf einige Userfragen zu sprechen, die mich erreicht haben)

Userfrage: NumLock aktivieren

Mit der Eingabe folgenden Befehls in der Bash, kann man den Nummernblock standardmäßig aktivieren, wenn man das "#" bei "#LEDS=+num" in der Configdatei entfernt und diese speichert:

sudo nano /etc/kbd/config

Allerdings gilt die nur für die Bash - wird Raspbian gestartet, wird auch wieder der Nummernblock ausgeschaltet. Möchte der Anwender auch unter Raspbian einen eingeschalteten Nummernblock, ist dies nur über ein Programm und ein wenig Bastelarbeit zu bewerkstelligen. Folgender Befehl in der Bash installiert das Tool:

sudo apt-get install numlockx

Startet Leafpad als Root:

sudo leafpad

Und navigiert in den Ordner "etc/xdg/autostart" - dort werdet ihr auf jeden Fall irgendeine Datei vorfinden, die auf ".desktop" endet. Ist egal welche ihr einladet, aber eine kleinere von der Größe her bedeutet, weniger Löscharbeit am Ende. Diese Datei wird jetzt sofort unter einem anderen Namen gespeichert - denn unser Ziel ist es nicht, irgendeine bestehende Datei zu ändern, sondern ein Muster zu bekommen, damit wir nicht alles mit der Hand eintippen müssen. Speichert den Text also zB. als "numlock.desktop" ab. (Speichern unter)

Daß es geklappt hat, seht ihr daran, daß die Textdatei nun als "numlock.desktop" in Leafpads Überschrift, bzw. Fensterleiste heißt. Ändert jetzt folgende Punkte, den Rest löscht ihr einfach aus dem Text.

[Desktop Entry]
Name=Enable Numlock
Comment=Enable Numlock under Raspbian
Exec=/usr/bin/numlockx on
Terminal=false
Type=Application

Nach dem Speichern und Rebooten steht die neue Funktion zur Verfügung.

Userfrage: Bildschirmschoner

Zum Schluss gehe ich noch auf den Bildschirmschoner ein - so etwas hat Raspbian nämlich nicht. Es gibt zwar in derselben Konfigurationsdatei wo Numlock für die Bash aktiviert werden kann, eine Einstellung, ab wann der Bildschirm abgedunkelt wird - dieser Wert steht auf 30 Minuten, aber dies scheint keine Auswirkungen auf Raspbian zu haben, da das System schon zwischen 5 bis 10 Minuten den Bildschirm ausschaltet. Die einzige Möglichkeit, den Bildschirmschoner selbst zu bestimmen und dessen Zeitintervall einzustellen oder das Ding komplett zu deaktivieren, geht mal wieder über ein separates Programm.

sudo apt-get install xscreensaver 

Nach der Installation findet man das Tool unter den Einstellungen im Menü der Taskleiste. Hier kann man sich einen gewünschten Bildschirmschoner auswählen (ein paar sind vorinstalliert) oder einfach das schon bekannte Bildschirmausblenden verwenden. Man kann Bildschirmschoner testen, die Startzeit festlegen, sogar verschiedene Schoner per Zufall erscheinen und wechseln lassen, oder ganz deaktivieren. Allerdings sollte man es nicht übertreiben - die GUI verhält sich gerne mal träge und neigt zu Abstürzen (Einfrierungen) bei häufigen Wechsel und Gebrauch. Aber wenn der Zeitwert ersteinmal eingetragen ist (zB. 30 Minuten) oder man den Bildschirmschoner nur an und ausschalten will, dürfte von Abstürzen später verschont bleiben.

Usertip: neues Raspbian ohne Ton?

Solltest du nach einem Systemupdate oder Neuinstallation ein Raspbian ohne Ton vorfinden, hilft es laut DATA-LAND nach - BerryBoot zu updaten.

Schlagworte : RaspberryPi, Tutorial

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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