Software installieren unter RaspberryPi Raspbian



Dienstag 19 Mai 2015 von Trixter Tutorial RaspberryPi keine Kommentare

In diesem Tutorial für das RaspberryPi Betriebssystem Raspbian werden wir uns mit den verschiedenen Arten beschäftigen, wie man Software installiert/deinstalliert, bzw. diese erstmal findet. Es werden verschiedene Varianten besprochen, aber erklärt werden nur die wichtigsten - das hat den Grund, daß manche Vorgehensweisen ein eigenes Tutorial in Anspruch nehmen würden, diese zu aufwändig sind oder schlichtweg überflüssig, da man auch auf andere Weise ans Ziel gelangt. Unser Ziel heute soll es sein, daß der Anwender am Ende selber Software installieren und deinstallieren kann - als Beispiel soll uns die Installation des Internetbrowsers Firefox gelingen...

Hinweis

Dieses Tutorial hat einen RaspberryPi 2 B als Grundlage - einige Dinge können bei der ersten RaspberryPi Generation, bzw. durch Updaten unterschiedlich sein - ich werde zwar versuchen, auch auf diese Feinheiten (falls sie mir bekannt sind) einzugehen, kann es aber natürlich nicht garantieren, daß es sich bei euch gleich verhält - falls ihr Fragen oder Probleme mit euren Modellen haben solltet - im Neme findet ihr einen eigenen RaspberryPi-Forenbereich, wo ihr euer Anliegen gerne posten dürft.

Der Pi Store

Eine Möglichkeit, die jedem Pi Käufer zur Verfügung steht, ist der Pi Store. Bei den alten Raspbianversionen befindet sich ein Icon dazu direkt auf dem Desktop - alle anderen gehen über den Menü-Button auf den Eintrag "Internet" und starten den "Pi Store" via Mausklick. Man benötigt einen Account - diesen kann man kostenlos, schnell und einfach mit einer gültigen E-Mailadresse registrieren. Ist dieser aktiv, kann man den Store so einstellen, daß er direkt "durchstartet", ohne daß man jedes Mal seine Benutzerdaten eingeben muss. Man landet in seinem persönlichen Account, aus dem es möglich ist, einen Überblick über seine heruntergeladene Software zu erhalten, neue hinzuzufügen, diese zu updaten oder zu starten. Die meisten Inhalte sind kostenlos, aber es gibt natürlich auch ein paar für die man bezahlen soll - diese werden nach Spiele, Tools, Tutorials, Entwickler und Medieninhalte sortiert gestaffelt - natürlich überwiegend in englischer Sprache. Aber man kann das Archiv durchaus mal durchtesten (die kostenlosen), es sind einige gute Sachen darunter. Wer am PC schonmal einen Überblick auf die Inhalte erhaschen und diese durchstöbern möchte, hier der Link zum Store: http://store.raspberrypi.com/projects

Die Deinstallation geht natürlich ebenso bequem über den Pi Store. Im Normalfall werden die über den Store installierten Sachen auch über den Store gestartet (einige verlangen sogar einen Reboot des Pi´s), aber es gibt natürlich Ausnahmen (testen!), wo man ein Starticon auf den Desktop legen und diese auch unabhängig vom Store starten kann. Wer damit ein wenig experimentieren will - die vom Store installierte Software befindet sich in diesem Ordner:

/usr/local/bin/indiecity/InstalledApps/

Im Store befinden sich natürlich nur die vom Hersteller oder der Community eingespielten Programme, Spiele, ect. (wenn du irgendwann einmal etwas für den Pi programmiert haben solltest, kannst du deine Sachen dort auch anbieten), bietet aber keinen großen Softwarepool und einen Browser wie Firefox schonmal gar nicht - also weiter im (Tutorial)Text...

Beachte bitte bei Spielen und Emulatoren auch diesen Hinweis.

Manuelle Installation

Man kann Programme auch direkt manuell über die Bash installieren - da Raspbian auf Debian aufbaut, kann man auch auf viele Programme aus diesem Softwarepool zugreifen (zwar nicht auf alle, da dies abhängig von der Leistung, der CPU, ect. ist, aber auf die Meisten), dazu muss man natürlich ersteinmal den Paketnamen ansich wissen. In diesem Fallbeispiel werden wir dies jetzt auch anwenden, denn unser Ziel soll es sein, sich nicht umständlich erst durch das Internet zu wühlen oder einem "Bash"-Paketmanger mit der Tastatur zu steuern, sondern das Ganze mit der Maus in einer grafischen Oberfläche zu tun. Unsere Wahl fällt auf den "Synaptic Paketmanager", welcher neben einer Suchfunktion, auch meist gleich Infotexte und Screenshots zu den zu installierenden Programmen anbietet. Klicke auf das "LXTerminal" (Bildschirmicon) in deiner Menüleiste am unteren Bildschirmrand und gib dort ein:

sudo apt-get install synaptic

(mit Enter bestätigen - wie alle Codeeingaben)

Dies wird den Paketmanager installieren, welchen du später unter "Menü/Einstellungen" wiederfinden wirst.

Paketmanager

Ein Paketmanger ist eine wunderbare Sache, denn er kümmert sich nicht nur um deine Programme, die du installieren oder deinstallieren willst, sondern auch um die davon abhängigen Pakete. Dh. benutzt kein weiteres Programm irgendeine Software, Treiber oder sonstiges, kann man diesen überflüssigen Ballast mit einem Klick vom System werfen. Das ist der große Vorteil von Linux gegenüber anderen Betriebssystemen - hier bleibt nur wirklich das drauf, was auch benötigt wird!

Raspbian bringt natürlich auch schon seinen eigenen Paketmanager mit - Aptitude. Dieser läuft aber nur über Tastatursteuerung aus der Bash heraus, bietet keine Vorschauscreenshots und benötigt einiges an Einarbeitungszeit, denn das "Biest" ist nicht so einfach zu bedienen, wie es ausschaut. Dennoch sollte man diese Info im Hinterkopf behalten, denn in gewissen Notfällen (Knoten im System, Abhängigkeiten, Fehler, ect.) kann es noch wertvolle Dienste leisten. Sein Aufrufbefehl lautet: sudo aptitude

Wir haben uns aber eben für den Synaptic Paketmanager entschieden, da dieser einfacher und kompfortabler zu bedienen ist - die Installation des Tools findest du einen Abschnitt über diesem.

Je nach verwendetem Raspbiansystem gibt es jetzt verschiedene Weg ihn zu starten, bzw. vorzubereiten. Klicke auf "Menu/Einstellungen" auf den "Synaptic-Paketmanager". Startet er mit einem Benutzernamen/Passwort-Screen, gibst du dort dieselben Anmeldedaten ein, wie die, mit denen du dich bei Raspbian anmeldest - also "pi und raspberry. Glückwunsch, das war es schon - bei jedem Aufruf diese Daten eingeben (damit du mit root-Rechten unterwegs bist) und das Tool benutzen.

Startet gar nichts (sagen wir, du wartest 10 Sekunden), dann kontrolliere bitte folgendes... gehe auf "Menu/Shutdown/Logout", damit du wieder zur Bash zurück kommst. Schau dir den Bildschirm genau an - dort solltest du eine Fehlermeldung wegen fehlender root-Rechte erhalten. Falls nicht - ist irgendwo was falsch gelaufen, versuche eine Neuinstallation von Synaptic (evtl. vorher ein Update des Systems machen), Neustarten oder einfach länger warten.

Bestätigt sich das mit den root-Rechten, müssen wir den Starteintrag im Menü entsprechend mit root-Berechtigung nachrüsten. Starte die grafische Oberfläche mit  startx, klicke auf das LXTerminal und gib dort folgenden Befehl ein:

sudo nano /usr/share/applications/synaptic.desktop

Es öffnet sich der Inhalt des Starteintrages in Textform - scrolle mit der Pfeiltaste nach unten bis zum Ende des Textes. Suche die Zeilen von unten nach oben nach diesem Eintrag ab: "Exec=synaptic-pkexec". Ändere den Eintrag, indem du ein "gksudo" dem Startbefehl voranstellst - also so:

"Exec=gksudo synaptic-pkexec" (natürlich ohne die ""!)

Drücke "STRG"+"X" zum Speichern (mit "J" und ENTER-Taste bestätigen) - jetzt kannst du den Paketmanager über dein Startmenü ohne Eingabe von irgendwelchen Benutzerkontodaten starten und nutzen.

Das machen wir jetzt auch, denn wir wollen ja noch Firefox als Browser installieren. Nachdem das Tool gestartet ist (evtl. verkleinern, damit alles auf den Screen paßt), klicken wir oben rechts auf die Suche. Dort tippen wir - da Firefox unter Debian nicht Firefox heißen darf - "iceweasel" ein. Aus der angezeigten Liste wählen wir den ersten "iceweasel" Eintrag aus (Zeile markiert) und klicken die rechte Maustaste - hier wählen wir "Zum Installieren vormerken" aus. Sollten jetzt zusätzliche Pakete (benötigt) angezeigt, bzw. nachgefragt werden - bitte auch diese installieren lassen. Damit das Ding später auch in Deutsch ist, installieren wir auch gleich das entsprechende Sprachpaket mit... scroll die Liste herunter bis zum Eintrag "iceweasel-I10n-de" - dieser wird ebenfalls mit Rechtsklick unserer Liste zur "vorgemerkten Installation" hinzugefügt. Jetzt klicken wir im Programm oben auf den "Anwenden" Button. Seht ihr unten keine Buttons "Anwenden"/"Abbrechen", ist die untere Menuleiste im Weg. Fahrt mit der Maus in das Fenster "Zusammenfassung" mittig bis oben zum Anfang der blauen Leiste mit den Knöpfen "verkleinern, schließen, ect." und drückt die linke Maustaste beim Abschluss (also dort wo die blaue Leiste auf den grauen Inhalt des Fensters übergeht) und zieht das Ding mit gedrückt gehaltener Maustaste ein Stück nach oben. Wenn es geklappt hat, verschwindet die Fensterleiste nach oben aus dem Bildschirm heraus, aber unten tauchen die Buttons auf. Das finde ich besser, als jedes Mal die Menüleiste zu verschieben - aber man muss es erstmal wissen und natürlich üben... üben, üben, popüben! Hat man das einmal drin, geht die Bedienung mit dem Paketmanager leicht von der Hand...

Auch hier hat man die Möglichkeit, sämtliche Inhalte thematisch sortiert angezeigt zu bekommen - klickt einfach auf "Sektionen" bei den linken Buttons. Wer jetzt zB. auf "Spiel und Spaß" klickt, bekommt alle verfügbaren Debian-Spiele angezeigt. Nicht alle laufen oder laufen gut, aber doch die Meisten - testen lohnt sich. Wer Spiele nutzen will beachtet bitte auch folgenden Hinweis...

Jetzt haben wir mit Firefox, ähm, Iceweasel einen mächtigen HTML5 Browser installiert, der auch ohne Flash zB. YouTube Videos darstellen kann. (dies gilt nur für die 2er Pi´s) Allerdings... YouTube geht nur über die YouTube-Seite selber (irgendwo eingebettete Videos, zB. hier im Blog) laufen darüber nicht "out of the box". Zudem ist die Abspielgeschwindigkeit von diversen Faktoren abhängig - Geschwindigkeit der DSL Leitung, Nutzung über Kabel oder WLAN, welche Qualität hat das Video, was ist gerade im Netz los, ect. pp. Es funktioniert zwar, aber besser ist immer noch OpenElec für YouTube Videos geeignet, da man hier viel mehr Einstellmöglichkeiten hat, diverse Filter die Darstellung verbessern und das Plugin sehr ausgereift und stabil läuft. Sprich.. YouTube mit Raspbian ist nur eine Lösung, wenn man schnell mal was anschauen will und der Pi am Ethernetkabel hängt! Wer über WLAN schaut, sollte zu OpenElec greifen, da man hier zB. die Qualität auch auf zB. 360p (oder niedriger) setzen kann und dank Zwischenpufferung quasi keine Hänger oder Unterbrecher erfolgen... soviel dazu... achso, wer hingegen auf den Browser "Chrome" von Google setzen möchte, der sucht im Paketmanager nach "Chromium". Fragt mich nicht warum die alle eingebürgerten Softwarenamen bei Browsern umbenennen müssen - ist wahrscheinlich eine Lizenzsache oder sowas...

Kompilierung

Man könnte Software auch aus anderen Linuxdistributionen ausprobieren, indem man deren Sourcen auf dem RaspberryPi kompiliert und am Ende (nach etlichen Stunden) nachschaut, ob was brauchbares dabei herausgekommen ist. Auf diese Methode werde ich jetzt nicht näher eingehen, da dies wohl nur die Wenigsten machen werden, aber da es sie gibt, wollte ich sie nicht unerwähnt lassen.

Fertiger Kram

Hin und wieder stößt man aber auf fertig kompilierte Software (etwa im RaspberryPi Gaming Forum engl.). Diese ist fix und fertig und braucht nur auf den Pi in einen eigenen Ordner kopiert zu werden. Als Beispiel dient jetzt mal Hurrican (die Turrican Fanneuauflage), da sich dieses nicht via Doppelklick auf irgendein Starticon starten läßt. Hier wechselt man mit der Bash in den Ordner und startet das Programm mit:

./hurrican

Es kommt auf das "./" an! Dies ist der Startbefehl, dahinter erfolgt der Name des Programmes. Wie man in der Bash durch Ordner geht? Nun, hier eine Kurzeinweisung:

dir - zeigt die Ordner an, wo man sich gerade befindet - normalerweise startet die Bash im Terminal von Raspbian im Benutzerordner "home/pi".

cd Ordnernamen - springt in den angegebenen Ordner

cd .. - geht einen "Schritt" zurück, also wieder aus dem Ordner heraus

Bevor sich einer aufregt - Hurrican ist derzeit keine große Freude am RPi2B, da das Programm für ARM6 CPU´s ausgelegt ist, der neue Pi aber die ARM7 Architektur besitzt - dh. in dem Fall ist der Sound ein wahrer Gräuel und ich kann nur hoffen, daß dieses wirklich exzellente Spiel in Kürze dafür angepaßt wird!

Hinweis am Ende

Wenn ihr euch mit Spielen, Emulatoren oder sonstigen grafisch intensiven Anwendungen (etwa Bildbearbeitung via Gimp) beschäftigt, solltet ihr sicherheitshalber auch der GrafikCPU einen Teil eures verfügbaren Speichers zur Verfügung stellen, den sich ansonsten nur die CPU(´s) des(r) Prozessor(en) unter den Nagel reiß(t)en. Nach meiner Erfahrung kann es nicht schaden, den Speicher gerecht zu verteilen - also jede CPU bekommt genau die Hälfte. Gibt man zu wenig Grafikspeicher an, werden nicht nur die Programme nicht laufen, die mehr Speicher benötigen, sondern auch Firmwarefunktionen, die zum funktionieren mehr Speicher benötigen werden deaktiviert. Es könnte sein, daß bei euch durch irgendeine Einstellung oder Programm etwas verstellt oder verändert wurde und deswegen unbemerkt bleiben - um das zu verhindern, kontrollieren wir das lieber mal, bzw. tragen direkt unsere gewünschten Werte ein...

Das erreichen wir (mal wieder) durch die "config.txt" Datei. Ruf diese auf und suche nach (aktiven) Einträgen, bzw. füge sie hinzu, falls keine bei dir vorhanden sein sollten, bzw. ändere sie entsprechend um (Standard ist übrigens 64Mb!):

gpu_mem=512

Dies wäre die Einstellung für einen RPi2B mit 1Gb Speicher, hast du entsprechend weniger, nimmst du entsprechend des Wertes die Hälfte davon. Also zB. 256 oder 128 (Einser A Modell, obwohl es da natürlich fraglich ist, sich damit überhaupt dem Thema Spiele zu nähern) Es gehen natürlich auch alle anderen Werte "dazwischen"... man muss nicht der GPU die Hälfte zuweisen - ich habe damit aber die besten Erfahrungen gemacht. Wer ein und dieselbe SD-Karte an unterschiedlichen Pi´s betreibt - zB. mit 1Gb und der andere mit 512Mb, kann mit diesen zwei Zeilen die Karte auf beiden Systemen nutzen, ohne immer die "config.txt" anpassen zu müssen:

gpu_mem=1024=512
gpu_mem=512=256

Es gibt auch noch eine "dynamische" Speicherverteilung - da diese aber unoffiziell ist und ich kein Risiko eingehen möchte, lasse ich das Thema unkommentiert außen vor.

Schlagworte : RaspberryPi, Tutorial

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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