RaspberryPi Zusammenbau und erste Tests - Teil 3



Donnerstag 07 Mai 2015 von Trixter Tutorial RaspberryPi keine Kommentare

Im dritten Teil des RaspberryPi Tutorials beschäftigen wir uns mit dem Zusammenbau der bestellten Komponenten und stellen schon mal die Fernsehnorm ein, damit wir auf unserem Fernseher auch etwas zu sehen kriegen. Zudem lokalisieren wir die "config.txt" Datei, welche als Biosersatz ungemein wichtig zum Einstellen des Computers ist - es gibt da einige Methoden, auf einige gehen wir näher ein, andere werden nur grob umrissen - aber sie sind auf jeden Fall wichtig zu wissen, da man später immer mal wieder darauf zugreifen werden wird...

Hinweis

Da ja jeder von euch unterschiedliche RaspberryPi´s oder andere Hardware gekauft hat, bzw. betreibt, ist es natürlich unmöglich an dieser Stelle auf jede Feinheit einzugehen. Manche Beschreibungen unterscheiden sich je nach Modell und müssen nicht für euren Raspi gelten - ich werde versuchen, alle wichtigen Punkte für alle Modelle aufzuzeigen, kann es aber nicht garantieren, daß es sich bei dir nicht doch anders verhält. Die nachfolgenden Tutorials haben einen RaspberryPi 2 B als Grundlage - falls ihr Fragen oder Probleme mit euren Modellen haben solltet - im Neme findet ihr einen eigenen RaspberryPi-Forenbereich, wo ihr euer Anliegen gerne posten dürft.

Das Auspacken und Vorbereiten

Bevor ihr euren Raspi aus seiner antistatischen Tüte befreit, solltet ihr euch zuvor erden - zB. indem ihr die Heizungsrohre eurer Wohnung kurz berührt - damit verhindert ihr, falls ihr elektrostatisch aufgeladen sein solltet, Defekte an der empfindlichen Platine. Habt ihr die Kühlkörper mitgekauft, solltet ihr sie jetzt auf die entsprechenden Chips aufkleben. Danach wird die Platine in ihr Gehäuse verfrachtet (wenns geht bitte seitlich an den Rändern anfassen) - in manchen Gehäusen wird sie hineingelegt, bei anderen muss man sie schief einlegen und das gegenüberliegende Ende mit "sanfter Gewalt" herunterdrücken, bis sie einrastet. Sucht euch immer ein entsprechend isoliertes Bauteil (Ethernetport, USB-Ports, Chinchstecker, ect.) wenn ihr drücken müßt und tut dies nicht über die Platine, deren Leiterbahnen oder SMD-Bauteile. Drückt auch nicht zu fest, damit ihr nichts beschädigt...

Ist das Gehäuse bestückt müßt ihr das Gerät in Minimalausstattung anschließen - wer natürlich seinen Router direkt am Fernseher stehen hat, der darf natürlich schon jetzt (bis auf die Netzteile) alle Komponenten verbinden. Alle anderen müssen schauen, daß sie einen Fernseher in die Nähe des Routers bekommen - daher lohnt sich eine Komplettinstallation nicht, wenn ihr hinterher wieder alles abbauen müßt. Diese Aktion muss natürlich nur einmal - bei der Erstinstallation so sein - später könnte man Internetzugang auch über WLAN realisieren. Was ihr minimal auf jeden Fall benötigt, ist eine Internetverbindung über Ethernetkabel, eine Maus, eine Tastatur (je nach Modell muss man schon ab hier seinen aktiven USB Hub anschließen, damit ausreichend USB Ports zur Verfügung stehen - aber bitte ebenfalls erstmal ohne Netzteil), eine Verbindung zum TV und natürlich eine (Micro)SD Karte mit dem Betriebssystem. Schließt alles an und legt die SD-Karte ein.

Beachtet: beim RPi 2 könnte es sein, daß ihr die Steckerfarben rot und gelb am Fernseher tauschen müßt um ein Bild zu erhalten. Bei vielen der derzeit erhältlichen Klinkenkabel ist das so, aber es gibt auch welche, die dies nicht müssen (scheint ein englischer Belegungshickhack zu sein), dies ist aber erstmal nicht ersichtlich, welche Variante ihr gerade vorliegen habt - denkt bitte daran, falls ihr in den nächsten Schritten kein Bild erhalten solltet.

Beachtet: der RaspberryPi besitzt keinen Netzschalter. Er wird angeschaltet indem man das Netzkabel anschließt (es gibt Bausätze zum Nachrüsten) und später ausgeschaltet, indem man den Stecker wieder entfernt. Das Gerät muss erst Betriebssystemtechnisch heruntergefahren werden, ehe man den Strom entfernt - sonst kann es Fehler im Filesystem der Karte geben, was eine Reparatur über spezielle Software nötig macht!

Beachtet: manchmal kann es sein, daß ein bestimmter USB Hub nicht nur seine angeschlossenen USB-Gerätschaften mit Strom versorgt, sondern auch gleichzeitig den RaspberryPi! Dieser würde also ebenfalls starten, sobald ihr den Hub unter Strom setzt. Das gilt es aber erstmal herauszufinden, weil sich durch dieses Verhalten natürlich auch die Reihenfolge ändert, was ihr später zuerst unter Strom zu setzen habt. Zb. befeuert euer Hub nur die USB Geräte und nicht den Pi - würde man beim Starten erstmal den Hub unter Strom setzen und danach den Pi. Startet bei eurem Hub aber der Pi ebenfalls mit, muss zuerst der Pi befeuert werden und erst danach der Hub.

Wie auch immer - beim ersten Versuch solltet ihr - auch um solche "Überraschungen" zu vermeiden, immer eine SD-Karte im Pi eingelegt haben - den ihr ja nicht ohne SD Karte einschalten solltet.

Der erste Start

Habt ihr alles entsprechend angeschlossen dürft ihr das Netzteil anschließen und gebannt auf den TV schauen. Die Ausgabe sollte standardmäßig auf HDMI eingestellt sein und an solchen Geräten direkt laufen. Sollte kein Bild über analog erscheinen - nachdem die LED für Ethernet (Netzwerkabel) dauerhaft leuchtet - versucht einmal die Tasten 1 bis 4 zu drücken (3 ist normalerweise PAL Ausgabe). Das ist ein wenig unterschiedlich je nach dem auf welche Art ihr euer Betriebssystem auf die Karte gebracht habt - aber es sollte so unter Noobs und BerryBoot sein - diese booten auch nur in ihre eigene Oberfläche, solange sie über kein Betriebssystem verfügen - ist schon eines drauf, müßt ihr kurz die Maus bewegen (oder eine Taste drücken) um den 10 Sekunden Countdown zu unterbrechen - wir booten noch kein Betriebssystem, wir wollen erstmal alles einstellen. Habt ihr hingegen das System direkt auf die Karte gebracht, würde das Betriebssystem bis zum Einloggprompt hochladen. Achtet auf die Status-LED´s am anderen Ende der Platine. Eine LED leuchtet dauerhaft und zeigt an, daß die Platine unter Strom steht. Daneben ist eine, die ab und zu sporadisch leuchtet - das ist die Zugriffs-LED, welche anzeigt, daß auf die SD Karte zugegriffen wird. Leuchtet sie nicht, nehmt den Strom weg und beim nächsten Versuch, haltet ihr die "3" Taste beim Bootvorgang gedrückt. Erfolgt immer noch keine Bildausgabe, müssen wir mit der Brechstange dran - lest bitte hier weiter... solltet ihr die Einloggmaske vor euch haben, gebt als Benutzername "pi" (ohne die "") ein und als Paßwort "raspberry" - achtet auf ein evtl. vertauschtes Tastaturlayout, was die Zeichen "Z" und "Y" vertauscht. Danach gebt ihr "sudo halt" ein um das Gerät herunterzufahren - oder - falls euch das Configurationstool angezeigt wird, dieses bitte beenden und den Rechner herunterfahren lassen. Wir werden dieses im nächsten Tutorial noch ganz genau einstellen...

Noobs & BerryBoot

Wenn ihr die GUI eines der beiden Bootloader vor euch habt, solltet ihr die erstmal die Standardoptionen einstellen (Netzwerkverbindung, Tastaturlayout, Zeitzone, Sprache, ect. - beachtet aber, daß beide Bootloader nicht dieselben Optionen unterstützen müssen, das variiert je nach System und soll nur Beispielhaft dienen... stellt halt das entsprechend ein, was man euch im Einrichtungsprozess anbietet) Ihr könnt im zweiten Teil des Tutorials zu der Thematik nochmals nachschlagen, oder den englischen Anleitungen der Bootloader folgen. Noobs / BerryBoot

Wichtig ist, daß ihr - wenn das Betriebssystem nicht schon auf der Karte vorinstalliert ist - euer benötigtes System über einen dieser Bootloader aus dem Internet herunterladen und installieren laßt. In meinem Tutorial wird natürlich Raspbian zum Einsatz kommen - aber die Vorgehensweise wäre auch für andere Systeme gültig.

Beachtet: derzeit kann nur BerryBoot verschiedene Systeme gleichzeitig von einer Karte betreiben, ohne daß die Installierten beim Aufsetzen eines anderen Systemes gelöscht werden!

config.txt

Ist das Betriebssystem auf der Karte installiert - werden wir es zwar noch nicht booten, aber zumindest unsere Videoausgabe einstellen und permanent speichern. Beim nächsten Booten wird dann also das Betriebssystem oder der Bootloader direkt auf dem Screen erscheinen, ohne daß wir irgendwelche Tasten drücken müßten. Um das zu erreichen, müssen wir die "config.txt" Datei editieren - denn darin stehen die gesamten Steuercodes des Systems.

BerryBoot-User klicken in der Oberfläche auf den Button "Edit Menü", danach ganz oben rechts neben "Exit" auf die zwei Pfeile ">>". Jetzt klappt unterhalb des Menüs eine weitere Leiste auf - dort klickt ihr auf "Edit config" oder in den neueren Versionen auf "Advanced configuration". Es ist ein wenig tricky, die Option zu treffen, denn sollte die Maus den sichtbaren Bereich der Leiste verlassen, klappt diese wieder zu - aber irgendwann hat man es geschafft. Wählt den Kartenreiter "config.txt"... sucht folgende Passage und ändert sie - oder tragt sie ein, falls sie nicht existiert:

sdtv_mode=2
sdtv_aspect=1

Mit "mode" stellt man die Fernsehnorm ein. 2 wäre PAL, 0 wäre NTSC, 1 wäre Japan NTSC und 3 wäre Brasilianisches PAL.

Mit "aspect" stellt man das Format ein. 1 wäre 4:3, 2 wäre 14:9 und 3 wäre 16:9.

Mit Klick auf OK wird die Datei gespeichert... fertig. Beachtet: die hier getätigten Einstellungen wirken sich auf alle Betriebssysteme zentral aus!

Alternativ können BerryBoot-Nutzer mit einem Windows-PC (nach der Einrichtung des Systems, bzw. Erstellung der Config.txt Datei nach oben stehender Anleitung), die (Micro)SD-Karte auch direkt in ihren Kartenleser am PC stecken. Die config.txt wird in der einzig unter Windows erreichbaren FAT-formatierten Partition gespeichert und ist - im Gegensatz aller anderen Varianten - somit jederzeit unter Windows einseh und änderbar. Achtet nur darauf, einen vernünftigen Texteditor zu verwenden (zB. Notepad++) und nicht den Windowsinternen, da dieser die Zeichencodierung nicht richtig darstellen kann und mit großer Sicherheit, die Config.txt beschädigen wird. Das ist gut zu wissen für den Notfall, falls BerryBoot oder eines der Systeme darunter, aufgrund fehlerhafter Befehle in der Config.txt Datei nicht mehr booten will.

Noobs-User wählen erst einmal das betreffende Betriebssystem (daß es markiert ist) und klicken dann oben auf den Button "edit config (e)". Im Kartenreiter "config.txt" wird dann exakt so vorgegangen wie bei BerryBoot. Schreibt oder ändert hier ebenfalls die oben schon beschriebenen Codes! Beachtet: Noobs verwaltet diese Config separat für jedes Betriebssystem. Habt ihr weitere installiert, müßt ihr auch dort die entsprechende "Config.txt" Datei anpassen, indem ihr zuerst das System auswählt und wieder auf den Button klickt.

User die das Betriebssystem ohne Bootloader direkt auf die SD-Karte übertragen haben, können die "config.txt" Datei später jederzeit aus der Kommandozeile (auch unter Raspbian selber) heraus edititieren (oder dies "ferngesteuert" über das Netzwerk tun falls man den Raspi so eingestellt hat) - der Befehl dazu lautet:

sudo nano /boot/config.txt

Die Codes sind natürlich dieselben wie oben schon beschrieben. Abspeichern kann man das Ganze über "STRG"+"X", dann "j" oder "y" (je nach Sprache) drücken und mit der "ENTER" Taste den Filenamen bestätigen. Beachtet: je nach verwendetem System oder Bootloader können sich die Speicherpfade der "config.txt" geändert haben!

Das oben beschriebene setzt aber voraus, daß man eine Bildausgabe auf seinem TV hat, wenn die nicht vorhanden ist, nützt einem diese Anleitung erstmal relativ wenig. Was also in einem solchen Fall tun? Nun, man kann sich mit einem anderen Computer behelfen, der einen Kartenleser hat und Linux kennt - zB. könnte man sich unter Windows mit der Knoppix-Live-CD (nicht DVD!) behelfen. Diese herunterladen, brennen und davon booten. Steckt die Raspbian SD Karte ein und laßt sie mounten - wichtig ist der Ordner "boot" - öffnet ihn und editiert die darin enthaltene "config.txt" Datei mit den Codes von oben, danach speichern.

Somit sind eure Pi´s schonmal so eingestellt, daß ihr eine Bildausgabe auf eurem TV habt. Dem Feintuning und weiteren Befehlen widmen wir uns beim nächsten Mal, wenn wir den "richtigen" Einrichtungsprozess abhandeln...

Schlagworte : RaspberryPi, Tutorial

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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