Gedanken zum Aufsetzen des RaspberryPi-Bootmediums - Teil 2



Montag 04 Mai 2015 von Trixter Tutorial RaspberryPi keine Kommentare

Im zweiten Raspberry Pi Tutorial werden wir auf die unterschiedlichen Methoden näher eingehen, wie man seine Betriebssysteme auf (Micro)SD-Karte selber aufspielen kann. Was ist Noobs, was ist BerryBoot und gibt es noch andere Vorgehensweisen? Gibt es Dinge die man vorher beachten oder planen sollte? Was sind die Vor und Nachteile der verschiedenen Methoden? All das und noch viel mehr wäre gut zu wissen, solange der bestellte Raspi sich noch auf dem Weg zu euch befindet...

Hinweis: wer sich bei seiner Raspi-Bestellung schon gleich eine mit "Noobs" vorinstallierte Karte mitgekauft hat, hat mit dem Aufsetzen einer "frischen" leeren Karte natürlich erstmal nichts zu tun - die mit Noobs bespielte SD-Karte wird einfach in den Kartenleser des Raspberry´s gesteckt und das Gerät unter Strom gesetzt. Es kann aber nicht schaden, sich dennoch über die nun folgenden Methoden schlau zu machen, da es sein kann, daß man später evtl. doch noch andere Systeme ausprobieren will und dann direkt weiß, was für einen selber in Frage käme...

Noobs

Noobs ist natürlich eine Abkürzung und bedeutet voll ausgeschrieben "New Out Of the Box Software". Käufliche (Micro)SD-Karten (in Shops, die Raspihardware anbieten) sind damit (auf Wunsch) bespielt und enthalten das Betriebssystem Raspbian vorinstalliert. Aber... bei Noobs handelt es sich um ein "Systemwähltool", dh. beim ersten Booten darüber erscheint ein Auswahlmenü aus dem der User frei wählen kann, welches Betriebssystem er installieren möchte. Raspbian ist das gängige "Standardsystem" und ist - wie schon gesagt - komplett vorinstalliert - wenn man ein anderes System ausprobieren möchte (beschränkt auf das was Noobs so anbietet), dann wird Noobs dieses aus dem Internet laden und auf die Karte aufsetzen. Das bedeutet - der Raspi muss für eine andere Betriebssystemwahl (außer Raspbian) mit dem Internet (Netzwerkkabel) verbunden sein und es kann auch immer nur ein Betriebssystem pro Karte installiert sein! (Stand RPi 1er Version 2013)

Nehmen wir einmal an, ihr habt eurer Raspbian komplett nach euren Wünschen aufgesetzt, eingestellt und erweitert - und würdet dann sagen, daß ihr mal ein anderes Betriebssystem ausprobieren wollt - dann würde Noobs dieses auf dieselbe Karte installieren und euer zuvor eingerichtetes Raspbian löschen, da Noobs die komplette Karte neu formatiert. Allerdings "behält" Noobs einmal heruntergeladene Betriebssystempakete, sodaß ihr bei einem "Switchen", diese nicht noch einmal herunterladen müßt. Dh. Noobs kann immer nur ein Betriebssystem pro Karte einrichten und nutzen - aus einem Pool diverser Systeme, die man über das Netz nachladen und installieren kann. Das macht Noobs für Multisystemuser uninteressant, bietet aber dem "Solo"-Nutzer diverse Features, die man nicht hätte, würde man ein Betriebssystem direkt installieren. Zb. kommt man ohne Betriebssystem an die "config.txt" Datei (sowas wie das Bios des Raspis) und kann diese editieren, man kann Sprache und Tastaturbelegung einstellen, ebenso die Bildausgabe via HDMI oder Chinch, (gibt der Raspi bei dir kein Bild aus, probiere einmal die Tasten 1 bis 4 zu drücken! Die Standardausgabe ist auf HDMI eingestellt, Composite Chinch PAL wäre zB. Taste 3) hat einen Internetbrowser mit dem man schnell etwas nachschlagen kann, kann defekte Distributionen fixen und und und. Diese Informationen beziehen sich auf die 2013er Version - in der neuen 2015er Version soll jetzt auch "Multiboot" möglich sein - also das Installieren mehrerer Betriebssysteme auf einer Karte. Beim Booten erscheint ein Auswahlmenü von dem der User wählen kann, welches System gebootet werden soll. Ich habe das noch nicht selber ausprobiert und werde es spätestens beim Beginn meines Raspikurses nächste Woche sehen (und diesen Text entsprechend meiner Ergebnisse ändern). Wenn es tätsächlich so einfach gehen würde, könnte Noobs zur ernsthaften Konkurrenz zu BerryBoot werden - was mich aber besonders interessiert ist - wenn man Noobs später zusätzliche Betriebssysteme hinzufügt, was passiert mit den alten? Bleiben sie unangetastet oder wird die Karte komplett neu formatiert und alle Systeme nochmal neu aufgesetzt? Das werde ich noch herausfinden...

Noobs kann von der offiziellen RaspberryPi Seite heruntergeladen werden (die normale Version enthält Raspbian, die Light muss sich auch dieses aus dem Netz herunterladen). Der Inhalt der gepackten Datei wird entpackt - die SD Karte mit diesem Tool formatiert - und dann mit dem Inhalt aus dem entpackten Archiv gefüttert. (alle Dateien, evtl. Ordner markieren und kopieren, dann direkt in den Hauptordner der SD Karte einfügen) Beim ersten Booten wird wohl die Liste aller verfügbaren Systeme angezeigt und man kann daraus wählen, welches zum Einsatz kommen soll. Ist das System installiert soll bei einem Solosystem das installierte direkt starten - möchte man Noobs erneut aufrufen, muss man beim Starten die "SHIFT" Taste gedrückt halten. Bei einem Multisystem soll besagtes Auswahlmenü erscheinen und man kann dann wählen, welches gestartet werden soll, bzw. wird dies automatisch mit seinem Standardsystem passieren, wenn man 10 Sekunden wartet.

BerryBoot

BerryBoot war das erste "Multiboot"-Tool für den Raspi. Mit ihm kann man mehrere Betriebssysteme auf einer Karte gleichzeitig nutzen - der Raspi bootet mit einem Menü, von dem man das zu startende System wählt - falls nicht, wird nach 10 Sekunden das festgelegte Standardsystem gebootet. Systeme können unanhängig von einander installiert und wieder entfernt werden - auch kann man ganz simpel an die Einstelldateien wie "config.txt" gelangen, diese editieren oder defekte Filesysteme fixen. Dieses System ist/war lange mein Favorit, wenn es ums Thema mehrere Systeme zum Testen auf einer Karte ging - beachtet aber - auch BerryBoot bietet nicht alle verfügbaren Systeme an - sondern nur bestimmte aus einer Liste und diese werden wie auch bei Noobs aus dem Netz nachgeladen (über Netzwerkkabel, nicht WLAN!) und gespeichert. Leider ist es nicht so einfach möglich diese Distributionen selber zu erweitern, da BerryBoot ein anderes Format, bzw. Filesystem nutzt (SquashFS anstelle von Ext4) und sich viele Distris nicht einfach so konvertieren lassen. Im laufenden Betrieb kann es zudem (gelbe) Hinweise über Fehler bezüglich SquashFS geben - etwa bei Raspbian beim Booten, da das System mit dem von BerryBoot eingebundenen Filesystem nichts anfangen kann. Bis auf diese störenden Hinweise sind mir aber noch keine wirklichen Fehler im Betrieb aufgefallen. Dennoch... man sollte dem Hauptsystem Raspbian stets seine eigene SD-Karte im Alleinbetrieb gönnen - und BerryBoot zum Experimentieren oder Testen einsetzen. Der große Vorteil hier ist eben, daß man sich SD-Karten einspart - denn normalerweise würde 1 System auch gleich 1 Karte für sich beanspruchen. Mit BerryBoot kann man aber mehrere Systeme auf einer Karte betreiben (einzig eingeschränkt durch die Kartengröße und vorhandenem Speicherplatz)

BerryBoot läßt sich sehr einfach aufspielen. Ladet die für euch richtige Version auf der BerryBoot Webseite herunter (es gibt unterschiedliche Versionen für RPi 1 und 2), entpackt das Archiv und kopiert den Inhalt direkt auf eure leere SD-Karte. Fertig. Wird dann damit der Raspi gebootet erscheint ein Menu, welches man konfigurieren muss - Overscan, LAN Einstellungen (wobei ich WLAN noch nie zum Laufen darüber brachte) und Landeseinstellungen wie Zeitzone und Tastenbelegung. Danach erfolgt die Frage, welches Speichermedium man nutzen will (man könnte hier zB. auch einen USB Stick oder Festplatte nehmen) Standard ist aber SD-Karte und die beginnt immer mit "mmcblk" - also wählt das richtige Medium, da alle Daten verloren gehen würden beim nachfolgenden Formatieren. Wählt danach das zu installierende Betriebssystem - Raspbian muss wie alle anderen Systeme erst heruntergeladen werden - das kann schon ein paar Stündchen dauern.

Manuelle Installation

Die meisten Systeme liegen (meist) im Image Format (.img) vor. Mit einem Tool wie dem "Win32 Disk Imager" kann man diese direkt auf seine (Micro)SD Karte aufspielen. (ihr braucht die .img Datei, also evtl. Archiv vorher entpacken!) Nach dem Programmstart gibt man oben links in das große Feld "Image File" das Img-File an (rechts auf den Ordner klicken, dann von Festplatte Datei einbinden) - im kleinen Fenster rechts oben wählt man den Laufwerksbuchstaben der SD Karte aus. Achtet dabei darauf, wirklich das richtige Laufwerk auszuwählen, denn auch Festplatten tauchen hier auf und diese lassen sich mit dem Tool anstandslos überschreiben!

Die fertige Karte bootet dann sofort in die aufgespielte Distribution und bleibt für immer alleine auf der Karte.

Einige "Drittanbieter"-Systeme gibt es auf der offiziellen Raspberry Pi Webseite zum Downloaden. Eine Übersicht über (fast) alle erhältlichen Distris für die Pi´s findet man in folgender Auflistung (beachtet, daß nicht jedes System für euer Modell geeignet sein muss und auch daß viele Distris nicht sehr ausgereift sein oder weiterentwickelt werden müssen): http://elinux.org/RPi_Distributions

Kartengröße

Wußtet ihr, daß die Standardgröße von RPi Distributionen damals bei 2Gb lag? Dafür waren die Systeme ausgelegt und einige sind es bis heute. Das bedeutete andersrum, daß man für jedes System seine eigene Karte haben mußte und so sammelte man von den Dingern etliche. Diese Zeiten sind Gott sei Dank mit der Verfügbarkeit von größeren Karten mit erschwinglich gewordenen Preisen vorbei. Jetzt kann man diese großen Karten nicht nur am RPi nutzen, sondern auch mehrere Systeme darauf betreiben, was die Anzahl der "rumfliegenden" Karten deutlich einschränkt. Betreibt man nur ein System pro Karte, kann man deren Größe jetzt auch auf die volle Kartengröße anpassen (früher war das ebenfalls nur 2Gb, auch wenn ne 8Gb drin steckte).

Es gibt natürlich auch heute noch Systeme, wo sich größere Karten nicht wirklich lohnen - etwa OpenELEC - wer also noch ungenutzte SD Karten rumfliegen hat, kann diese natürlich für "Soloprojekte" nutzen - aber dafür extra eine kleine 2Gb anschaffen würde ich jetzt auch nicht und diese Sachen zB. über BerryBoot als Multisystem nutzen.

Raspbian würde ich generell eine eigene Karte spendieren - mein Raspbian auf dem Einser B hat eine 8Gb Karte und kommt schon an seine Speicherplatzgrenzen (wenn man viel ausprobiert und installiert natürlich) - daher habe ich dem Zweier B jetzt eine 16Gb spendiert. Das sollte sich jeder zum Richtwert nehmen, der mit Raspbian viel in Richtung Emulation und Spiele machen will - aber eine 8Gb Karte reicht natürlich auch aus, wenn man zB. viele dieser Inhalte dann auf einen USB Stick auslagert. Halten wir fest - Raspbian eigene Karte, 8Gb Minimum.

Wer zudem noch andere Systeme ausprobieren will und viel experimentiert, der sollte sich auf jeden Fall noch eine zweite Karte zulegen (16Gb) und darauf ein Multisystem wie BerryBoot installieren. Geht dabei mal etwas schief, sind die eigenen Daten und Einstellungen nicht in Gefahr und man hat immer noch ein funktionierendes Raspbian Betriebssystem.

Den Sinn und Unsinn welche Klassen "Class" die Karten haben sollten oder nicht, habe ich im ersten Teil der Tutorialreihe ja schon erwähnt.

Fazit

Nachfolgend eine Auflistung für die ich persönlich die vorhandenen Methoden nutzen würde.

  • Noobs - beim Neukauf für Anfänger anzuraten, die sich erstmal nicht mit irgendwelchen Installationsmethoden rumschlagen wollen oder sie sich nicht zutrauen. Wer von Beginn an ein laufendes Betriebsystem braucht, kauft sich so eine mit Noobs aufgesetzte Karte gleich bei seiner Hardwarebestellung mit. Ob Noobs mittlerweile im Multisystembereich besser ist als BerryBoot, werde ich noch durch Tests herausfinden und euch davon berichten. Raspbian scheint mir über Noobs derzeit die beste Lösung zu sein, da man einfach und schnell an die nötigen Optionen kommt (zB. "config.txt) ohne das Betriebssystem starten zu müssen
  • BerryBoot - derzeit noch die Referenz, wenn es um mehrere Systeme gleichzeitig auf einer Karte geht. Ist einfach und praktisch, hat aber auch seine Ecken und Kanten und kann nur das an Systemen verwenden, was vom Macher angeboten wird - für Raspbian als Hauptsystem nur bedingt geeignet (wegen der Filesystemfehler), ist eher was zum Ausprobieren, Experimentieren oder für Distris die ohne Fehler darüber laufen
  • Manuelle Installation - hierüber hat man natürlich die komplette Kontrolle darüber, was auf die Karte soll - aber hat halt auch die Einschränkung, daß immer nur ein System pro Karte möglich ist. Diese Methode bietet sich für all die Distris an, die über Noobs und BerryBoot nicht verfügbar sind - auch Raspbian wäre ein idealer Kandidat, wenn man alle Einstellungen zB. "config.txt" über Boardmittel von Raspbian selber aus oder über einen anderen Rechner im Netzwerk tätigen kann

Abschließend nur noch ein Sicherheitshinweis: setzt euren Pi bitte nicht ohne eine eingesteckte (Micro)SD-Karte unter Strom!

Update

Das mit Noobs hat mir keine Ruhe gelassen und ich hab mich direkt am selben Tag noch ans Werk gemacht. An dem gestern schon verkündeten Fazit habe ich nichts geändert, da sich meine Vermutungen bestätigt haben. Ja, es ist möglich, mit Noobs mehrere Systeme von einer Karte zu nutzen - aber... diese müssen von vornherein festgelegt sein. Dh. möchte ich später noch eines hinzufügen (oder löschen), wird die Karte gelöscht und komplett neu aufgesetzt! Das plus der Tatsache, daß sich die Bildschirmnorm (PAL/NTSC) der Noobsoberfläche trotz angeblichen "Speichern" immer wieder verstellt und der User (je nach verwendeten Anzeigegerätes) jene erst nach 2! Tastendrücken zu Gesicht bekommt (SHIFT beim Booten halten - Lämpchen des Pi´s im Auge behalten, bis die vom Ethernet dauerhaft leuchtet, dann die "3" drücken für PAL-Ausgabe) ist meiner Meinung nach für Anfänger mit einem Analog-TV recht ungeeignet - da empfehle ich das bewährte BerryBoot - auch wenn es dort evtl. mal Fehlermeldungen bezüglich SquashFS geben sollte - aber das interessiert und stört Anfänger in keinster Weise, da die Funktion ja gegeben ist.

Schlagworte : RaspberryPi, Tutorial

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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