Überlegungen zum Anschaffen eines RaspberryPi´s - Teil 1



Samstag 02 Mai 2015 von Trixter Tutorial RaspberryPi keine Kommentare

Diese Tutorialreihe beschäftigt sich vom Kauf, über die Einrichtung, bis zur Nutzung der Raspberry Pi Mini-Computer und wird ständig erweitert und weitergeführt. Sie entstand aus dem Grund, da ich in Kürze diverse Einweisungskurse zu der Thematik gebe und das Wissen zusätzlich zentral in schriftlicher Form zum erneuten Nachschlagen und Vertiefen der Informationen anbieten möchte.

Anders als in den normalen Tutorials, werden viele "Raspi-Tutorials" direkt über die Webseite einsehbar sein, da ich weiß, daß einige Leute diese über ihren Raspberry selber online nachschlagen werden und noch nicht in der Lage sind, eine (gezippte) PDF Datei zu entpacken und diese am Raspberry selber anzeigen zu können.

Vielleicht bist du ja selber auch an einem RaspberryPi interessiert? Dann sei herzlich dazu eingeladen, diese Reihe ebenfalls zu verfolgen und das Wissen für deine eigenen Entscheidungen umzusetzen und zu nutzen... 

Was ist ein Raspberry Pi?

Ich werde hier natürlich nicht auf alle Fakten und technischen Details eingehen - dafür gibt es die Wikipedia. Um es kurz zu machen - ein RaspberryPi ist ein kleiner Einplatinencomputer etwa in der Größe einer Kreditkarte oder Zigarettenschachtel. Neben zahlreichen Anschlussmöglichkeiten wie USB, SD-Kartenleser, HDMI oder Analog TV, kann man die Fähigkeiten auch durch zusätzliche Hardware erweitern (etwa Soundkarte, Schnittstellenkarten, Kameramodul, LED-Modul, ect. pp) - in dieser Tutorialreihe verwenden wir aber erstmal nur die standardmäßig vorhandenen Schnittstellen - aber es zeigt sich schon hier, daß die Einsatzgebiete des kleinen Computers sehr vielseitig und recht unterschiedlich sein können. Das wird auch bei den verfügbaren Betriebssystemen nicht anders sein, auch wenn wohl große, bzw. deren angepaßte Linuxdistributionen (wie Raspbian = Debian) hauptsächlich zum Einsatz kommen werden - aber man könnte zB. das Gerät als Mediacenter zum Filmeschauen verwenden, über Emulatoren seine Lieblingssysteme nachbilden, eine Hausüberwachungsanlage oder andere Bastelprojekte realisieren und und und. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt - natürlich ist die Platine nicht für alles gleichermaßen gut geeignet - dies ist der Prozessorleistung und dem RAMausbau geschuldet. Aber da es verschiedene Modelle gibt, kann man sich das für sein Vorhaben geeignetste Modell aussuchen.

Die Modelle 

Die kostengünstigsten Modelle sind jene aus der "A"(+) Reihe. Diese haben allerdings den kleinsten RAMausbau (256Mb), nur einen USB-Port und verfügen über keine Ethernetschnittstelle - ansonsten sind sie kompatibel mit allen Erweiterungen und haben auch dieselbe 700Mhz Single-Core-ARM-CPU wie ihre (Einser)-B-Brüder - dennoch kann ich sie nur bedingt empfehlen (es sei denn, man braucht nur relativ wenig Power für ein ganz bestimtes Projektziel), da sie für Emulationszwecke oder Internetnutzung einfach unterdimensioniert sind.

Interessanter sind da schon die "B"(+) Modelle. 512Mb RAM, 2 (bzw. 4 und Micro-SD beim Plusmodell) USB-Ports und Ethernetschnittstelle, lassen da schon viel mehr Leistung und Anschlüsse zu. Emulatoren laufen recht anständig aber Internetnutzung (Surfen) ist nur eingeschränkt möglich und langsam - zB. YouTube läuft nicht aufgrund fehlendem Flash und für HTML 5 ist das Gerät zu langsam (= Filme im Sekundentakt) - aber man kann zB. über den Kauf von Codeclizenzen und Übertaktung (auf zB. 900Mhz) ein sehr brauchbares MediaCenter aufsetzen, was dann auch alle Formate frißt (zB. OpenELEC) - hier laufen dann via Plugin auch YouTube Videos anstandslos.

Am Besten ist natürlich die neue 2er Generation (ebenfalls unterteilt in A und B, wobei derzeit aber nur B erhältlich ist und A noch nachfolgt - auch hier gilt, wer das Beste haben möchte, greift zum B-Modell). 1Gb RAM, Quadcore CPU mit jeweils 900Mhz, 4 USB Anschlüsse, Micro-SD. Mit dieser Power bootet das System nicht nur in 10 - 13 Sekunden (Raspbian plus grafische Benutzeroberfläche - Zeit für Paßworteingabe herausgenommen) das Betriebssystem, es laufen jetzt auch YouTube Videos ruckelfrei aus dem Browser (zb. in Vollbild) oder Spiele, die vorher nicht liefen (etwa MineCraft). Jetzt kann man endlich zum ersten Mal von einem vollwertigen Computerersatz sprechen, denn das kleine Teil kann durchaus einen PC in vielen Bereichen ersetzen. Emulatoren profitieren natürlich ebenfalls von den 4 CPU´s, allerdings muss man beachten, daß die Software auch dafür ausgelegt sein muss - noch nicht jede Software läuft "out of the Box" perfekt - aber man kann davon ausgehen, daß solche Dinge mit der Zeit auch noch angepaßt werden wird. (wir reden von einer verschwindend kleinen Anzahl von Programmen - von meinem alten Raspi1-B-Softwarepool lief in der Tat nur ein einziges nicht - Hurrican und das war damals von einem User für den Raspi angepaßt worden - also nichts offizielles, sondern selbstgestricktes) 

Kurzfazit

  • RaspberryPi Modell A (+) - geeignet für Bastelprojekte
  • RaspberryPi Modell B (+) - geeignet für Emulation/MediaCenter
  • RaspberryPi 2 Modell B - geeignet für Emulation/Internet/MediaCenter

Hinweis: Es gibt zwei Hersteller beim ersten RaspberryPi (A+B) - da zu dem Zeitpunkt die Produktion in England alleine nicht bewältigt werden konnte. Die "chinesische" Version von "element14" ist trotz anderer (farblicher) Komponenten aber baugleich zur UK Version. Eine von beiden ist aber immer günstiger als die Andere - daher dort zuschlagen, wo es am wenigsten kostet! Der RaspberryPi 2 wird ausschließlich in England gebaut, da dort mittlerweile auch die Produktionsstraßen weiter ausgebaut wurden...

Was braucht man sonst noch so?

Mit dem Kauf der Platine selbst ist es natürlich nicht getan, was man sonst noch so braucht, wird hier näher erläutert. Natürlich hängt die "Nötigkeit" der Sachen auch davon ab, welchen Einsatz der Raspberry später leisten soll - manche der Dinge könnten sich zudem noch in eurer Grabbelkiste befinden und müssen natürlich nicht nochmal neu gekauft werden:

  • Gehäuse - nichts wäre tödlicher für euren neuen Rechner als wenn man die nackte Platine ungeschützt irgendwo betreibt, etwas darauf fällt, man das Ding "dumm" anfaßt und einen Kurzschluss verursacht, es statische Entladungen gibt oder einfach nur mit der Zeit verstaubt. Schützt euren Raspi durch ein günstiges Gehäuse - es muss ja kein Designerteil sein. Beachtet: Raspi A & B passen in ein identisches Gehäuse, Raspi A+ & B+ & 2B ebenso...
  • Netzteil - Strom braucht der Raspi natürlich auch und den richtig dosiert - sonst kann es Fehlfunktionen geben - daher ist ein ausreichend dimensioniertes USB-Netzteil (mit Micro-USB Stecker) nötig. Beim A Modell reicht eines mit 1A (1000mAh), bei den B Modellen sollte es dann aber lieber noch ne Schippe mehr sein (2A - 2000mAh)
  • TV-Anschluss - wer einen modernen Fernseher daheim hat, braucht nur ein simples HDMI-Kabel. Wer noch analog in die Röhre schaut, braucht ein paar Dinge mehr - beim Einser B-Modell ein Audioklinkenkabel (weiß/rot) auf Chinch und ein einzelnes Chinchkabel (Video-gelb) - beim Zweier B-Modell wurden beide Strippen durch ein einzelnes Klinkenkabel mit 3 Chinchausgängen ersetzt - beachtet aber: zwei Kabelfarben sind vertauscht (Engländer halt), gelb muss mit rot getauscht werden! Also am Fernseher oder SCART-Adapter steckt man die Kabelfarben um - nicht das Kabel rausreißen, neu dranlöten oder sowas...
  • (Micro)SD - Karte - wichtig ist natürlich auch ein Medium von dem das Betriebssystem läuft. Die Plus-Modelle setzen auf Micro-SD, die anderen auf normale SD-Karten. Diese kann man schon mit fertig aufgesetzten Betriebssystem (Noobs ist ein vorgesetzter Starter über den man Betriebssysteme aufsetzen kann - Raspbian ist vorinstalliert, den Rest könnte man über das Tool aus dem Internet ziehen und installieren lassen) kaufen oder selber aufsetzen. Dabei würde ich Anfängern empfehlen, direkt ein Medium mit Betriebssystem zu kaufen - die Preise sind meist moderat und liegen knapp über dem einer leeren Karte (auf jeden Fall billiger als zB. im MediaMarkt) und der Nutzer kann das Gerät gleich in Betrieb nehmen. Den Rest kann man später immer noch erweitern oder nachkaufen (zB. über USB Sticks oder eben einer weiteren Karte) - als Richtwert für eine fertig bespielte Karte mit Betriebssystem Raspbian reichen 8Gb durchaus aus. (wer selber kauft - die Klasse (Class) spielt nicht wirklich so eine große Rolle - die besten Erfahrungen habe ich mit Class-6 Karten gemacht, aber auch die Class-10er funktionieren, auch wenn deren Speed nicht voll genutzt werden kann - soll heißen, ist eine Class 6 Karte billiger als eine höhere - kauft euch die günstigere von beiden!)
  • USB-Hub - von USB Anschlüssen kann man nie genug haben, so auch hier. Wer vorhat, umfangreich mit dem Gerät zu arbeiten, braucht mehr USB Anschlüsse als die Modelle vorgeben. ZB. "verbrauchen" Maus, Tastatur, Joypad schon mehr als das Einser B-Modell USB-Anschlüsse hat! Daher - holt euch einen aktiven (= mit eigener Stromversorgung, am Besten ebenfalls 2A) USB-Hub mit min. 4 (besser 7) USB Schnittstellen
  • Maus - wichtig bei Benutzung von irgendwelchen GUI´s, zB. Raspbian, OpenELEC oder sonstigen grafischen Oberflächen zwecks Bedienung oder Einstellung von Optionen
  • Tastatur - wichtig zum aktiven Arbeiten, wird bei der (Erst)Inbetriebnahme zwingend vorausgesetzt
  • WLAN-Stick - wer seinen Raspi nicht direkt neben dem Router stehen hat, kann ihn natürlich auch per Funknetz ins Heim, bzw. Internet bringen - für die Kabelvariante braucht man natürlich auch noch ein Netzwerkkabel - denkt daran eines mitzubestellen, falls ihr keines mehr im Hause haben solltet
  • Kühlkörper - vor allem bei den Einser Modellen beim Übertakten anzuraten. Damit schützt man seine wichtigen Komponenten wie CPU, Grafikchip vor Überhitzung. Das Zweier B-Modell braucht dergleichen nicht wirklich, da es für die neue Leistung entwickelt, bzw. ausgelegt wurde - aber schaden kann´s natürlich nicht...

Bei manchem Anwendungszweck kann man sich später auch die Maus und Tastatur sparen, indem man den Raspi über einen anderen Computer über´s Netz steuert - auch gibt es Kombinationen von Maus und Tastatur in einem Gerät (mit Touchpad, zB.), die helfen, einen USB Port einzusparen.

Kauft bitte keine "vorgefertigten" Raspi-Paketangebote, die jede Menge Kram beeinhalten, die ihr nie brauchen werdet, aber teuer mitbezahlt - kauft euch diese Dinge stets einzeln, bzw. wenn ihr sie auch benötigt! Achtet natürlich darauf, daß ihr euch im Vorfeld einen Anbieter aussucht, der möglichst viele benötigte Teile anbietet - sonst kommen euch die Portokosten pro vermeintlichen "Schnäppchen" am Ende teurer.

Preislich liegen die Modelle von 19.99 Euro bis ca. 39 Euro. (immer noch ein Wahnsinnspreis für die gebotene Leistung, wie ich finde)

Ich habe einen Shop ermittelt, der nicht nur einen Großteil der benötigten Teile führt, sondern am Ende auch günstiger ist als alle anderen (verglichen wurden Händler mit ähnlichen Produktangebot - etwa Reichelt, Conrad, Amazon - aber nicht zB. Vesalia, da es dort nicht viel an benötigten Extrazubehör gibt). Gut, deren Auswahl an Tastaturen läßt noch zu wünschen übrig (nur eine der teuren mit Touchpad, deswegen holt man sich am Besten eine günstige kabelgebundene für ein paar Euronen und eine USB-Maus lokal) - aber der Rest ist in großer Auswahl, bzw. überhaupt vorhanden - zB. das benötigte Klinkenkabel für die neuen 2er B´s am Analog-TV oder das Kühlkörperset.

Nach meiner Rechnung - Raspi 2B, Gehäuse, Netzteil, TV-Anschluss Klinke, HDMI Kabel, aktiver USB-Hub, Patchkabel, 8Gb Micro-SD-Karte mit Noobs wären wir bei ca. 72 Euro angelangt, mit Porto ca 77 Euro. Würde man jetzt noch den WLAN-Dongle und die Kühlkörper mit einrechnen, wäre man bei ca. 88 Euro - blieben noch 12 Euro über für ne Maus und Tastatur... somit würde man einen vollwertigen Rechner für unter 100 Euronen bekommen.

Das ist natürlich nur ein Fallbeispiel - wer bestimmte Dinge nicht braucht oder noch daheim ungenutzt rumfliegen hat, für den reduzieren sich die Kosten auch noch ein Stück.

Hier der Link zum Shop (war am günstigsten, Stand Anfang Mai 2015): http://www.rasppishop.de

Schlagworte : RaspberryPi, Tutorial

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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