PC Test: The Angry Video Game Nerd Adventures



Donnerstag 23 April 2015 von Trixter PC/Apple, PC Test keine Kommentare

Na? Empfindet ihr die meisten heutigen Mainstreamspiele auch zu massenmarkttauglich "leichtgespült"? Wie wäre es mit einem Titel der nicht nur optisch, sondern auch von der Schwierigkeit her aus den guten alten Zeiten stammen könnte - aber diese noch übertrifft!

Im Zuge des geplanten Nintendoreleases auf die neuere Konsolengeneration, werfen wir einen Blick auf die ursprüngliche PC Version des Spieles, welches ja 1 zu 1 umgesetzt werden soll...

The Angry Video Game Nerd Adventures erschien schon im Jahre 2013 auf Steam und ist einer der wenigen PC Titel, die ich mir in den letzten Jahren kaufte. Normalerweise spiele ich privat am PC nicht - okay, die Sachen die ich für Tests durchspiele sind davon natürlich ausgeschlossen - aber ich rede von privaten Spielen, also jene, die ich immer mal wieder regelmäßig rauskramen würde. Als ich mir damals meinen ersten PC zulegte, geschah das aus nur einem Grund - Simon the Sorcerer 2 - welches zwar für Amiga angekündigt war aber 1995 nicht erscheinen wollte (daß es das dann Jahre später dann doch über einen anderen Publisher tat, konnte ja keiner wissen). Soll bedeuten - die meisten der für mich interessanten PC Spiele sind mittlerweile über Portierungen, Translator/Emulationsumgebungen nun doch für meinen Amiga verfügbar und die Liste der wirklich guten Spiele, für die es sich (für mich) PC-technisch lohnt, ist sehr kurz geworden - im Moment sind es nur zwei Titel und dieses Spiel ist einer davon!



Doch um was dreht es sich hier eigentlich? Und wer zum Geier ist der Angry Video Game Nerd? Ich reiße das Thema hier nur in der Kurzversion an - Fans des Nerds springen gleich zum nächsten Abschnitt weiter. In New Jersey USA lebt James Rolfe, ein begnadeter Sammler von Retrohardware aller Art (er ist einer der wenigen Glücklichen auf der Welt, die alle Spielemodule des Nintendo Entertainment Systems besitzen). Für einige seiner Sammlerfreunde erstellte er eine handvoll Videos, die sie vor den miesesten Spielen warnen sollte - und diese Videos hat dann irgendeiner von denen bei YouTube eingestellt - was für ein enormes Feedback sorgte. Fortan gründete James einen eigenen YouTube Kanal und brachte regelmäßig Spielebesprechungen von grottigen NES Spielen unter seinem Pseudonym "Angry Nintendo Nerd" heraus. Später mußte er sich dann wegen der Namensrechte in den "Video Game Nerd" umbenennen, was ihm aber die Möglichkeit gab, auch über andere Systeme zu berichten. Nach einer längeren Zeit dauernden Kooperation mit dem MTV Network, ist er heute wieder sein eigener Herr und bietet alle Folgen (derzeit 134) in verschiedenen Staffeln frei zugänglich über seine Webseite, bzw. YouTube an. Das Projekt hat viele Fans und Freunde weltweit gefunden und gipfelte in zahlreichen Fan, aber auch kommerziellen Spielen - seit letztem Jahr gibt es sogar einen Kinofilm. Wer der englischen Sprache mächtig ist und sich gut unterhalten lassen will, dem kann ich nur empfehlen, mal einige seiner Videos anzuschauen (Schulenglisch reicht völlig): http://cinemassacre.com/category/avgn/avgnepisodes/

Wir haben es hier also mit einer Versoftung basierend auf einem YouTubers zu tun - was Kennern der Serie natürlich sehr gefallen wird, da sie viele Elemente, Situationen und Figuren aus den Videos wiedererkennen werden... aber, auch für alle, die die Serie nicht kennen, eignet sich das Spiel durchaus - denn es basiert ja auf alten unfairen Spielen (wie es damals so einige davon gab) und diese haben wir früher ja mal des Öfteren zu spüren gekriegt! (oder hat von euch nicht mal einer voller Wut über ein sauschweres Spiel seinen Joystick durch die Bude gepfeffert? Und genau so einen Gamer spielt man heute eben nochmals - aber halt gewollt)

Aus irgendeinem Grunde wird der Nerd (also wir, die Spieler) mitsamt seinen Freunden in die Tiefen eines miesen Konsolenspieles gezogen, welches sich über 10 Leveln erstreckt und in diverse Spielgenres aufgeteilt ist - ehe man am Ende den Grund für diesen Umstand erfährt - hoffentlich beseitigt - und das Spieleland unbeschadet wieder verlassen kann! Das Ganze ist dabei wie ein Action-Jump´n Run aufgebaut, aber auch "Sammelelemente" kommen hier und da vor - also daß man zB. einen bestimmten Schlüssel für eine Türe finden muss.

Bevor das Spiel startet, müssen wir noch einen (von Anfangs 3) Schwierigkeitsgraden auswählen. Diese unterscheiden sich von einander in der Anzahl der Leben, Continues, der Anzahl der Hitpoints (Bierflaschen), die Stärke der Waffe und ob man Speicherpunkte nutzen darf. Spielt man den jeweilig schwierigsten Grad komplett durch, schaltet man weitere Grade frei - insgesamt gibt es derer 6 (der YOLO Modus ist der härteste, da gibt es nur ein Leben, sonst nix!). Gespielt wird übrigens via Joypad - vorzugsweise mit einem X-Box Controller, aber es gehen bei Weitem nicht alle Eingabegeräte - bei mir lief zB. der GameCube Contoller nicht, dafür aber mein Thrustmaster Funkpad.

Der erste Level ist ein Tutoriallevel. Hier trifft man auf auf Naggi die Feuerfliege, die ein wenig über die Steuerung aufklären will - wenn der Nerd das nur zulassen würde. Hier lernt man also die ersten Schritte, aber auch, wie man zB. die diversen "Power-Ups" wie den "Glitch Gremlin" oder "Super Mecha Death Christ" anzuwenden hat - diese richten entweder großen Schaden an (nützlich etwa bei vielen oder dem Endgegner) oder bringen das Level kurzzeitig durcheinander (so kann man zB. eine gefährliche Passage besser meistern). "Power-Ups" können allerdings nicht mit in andere Level genommen werden - sie sind nur dort gültig, wo sie aufgelesen wurden. Standardmäßig verfügt man über den "Nintendo Zapper" (Lightgun), welcher aber kurzzeitig durch das Einsammeln eines "Super Scope" (SNES) Schußstärketechnisch aufgerüstet werden kann (bis man einen Treffer einsteckt oder das Level zuende ist).

Die Bierflaschenanzeige oben links stellt die Anzahl der Hitpoints dar - also wie oft der Nerd getroffen werden darf, ehe er ein Leben verliert - dies wäre in der einfachsten Stufe derer 6 an der Zahl. Mittig würde das derzeit verfügbare "Power-Up" angezeigt werden und dessen eingesammelte Anzahl (hat man zB. Steine aufgesammel, steht hier zu lesen, wie viele man davon noch hat) - mehr gibt es am Anfang nicht zu sehen. Später, wenn man seine 3 Freunde gefunden hat, würde im rechten Bereich des Bildes noch deren Avatar erscheinen, da man zwischen ihnen wechseln kann. Jeder Charakter hat seine eigenen Fähigkeiten und Waffen - und ergänzen sich wunderbar im Spielbetrieb. Aber wie gesagt, diese sind gut in bestimmten Leveln versteckt und müssen erst noch gefunden werden, ehe man diese einsetzen kann.

Hat man das Tutoriallevel geschafft, gelangt man in einen Weltenauswahlbildschirm mit insgesamt 8 Leveln. Wobei jedes für ein anderes Spielgenre steht. Da gäbe es etwa ein Castlevania und Megaman Level (Assholevania), ein Horrorlevel, ein Weihnachtslevel, ein Fantasylevel, ein Schweinkramlevel (Atari XXX) und so weiter - natürlich ist alles nur im Stil der Vorgaben in das eigentliche Spielkonzept umgesetzt, dh. im Rollenspiellevel ändert sich nicht das Spielprinzip, sondern das Design, das Aussehen und die Gegner - AVGN Adventures bleibt seinem Action-Jump´n Runner immer treu. Am Ende eines jeden Levels steht natürlich ein Oberboss, der besiegt werden will, ehe die Welt geschafft ist. Hat man alle Welten durchgespielt, erscheint die finale Welt - welche auch die schwierigste darstellt. Übrigens... die Level muss man nicht so spielen, wie sie hier angeordnet sind - man hat immer die freie Wahl, welches Level man als nächstes angehen will.

Die Grafik ist für "gefakte 8 Bit" Verhältnisse sehr schön und detailiert ausgefallen und könnte tatsächlich von einem alten System stammen (am ehesten zB. von einer PC Engine). Es wird zwar augenscheinlich darauf gezielt, daß man es hier mit einem NES Spiel zu tun hat, aber für viele der zahlreichen Hintergründe und Effekte würde dessen Leistung nicht wirklich ausreichen - einigen wir uns, daß das System irgendwo zwischen NES und SNES anzusiedeln wäre.

Das Leveldesign ist perfekt ausgefuchst und so konstruiert worden, daß man mit voller Absicht auf falsche Fährten kommt oder sich ins Nirvana verabschiedet - vor allen Dingen, wenn man auf der Suche nach Extras, Bonusgut, Cameo (zB. Shitpickle) oder seinen Freunden ist und an Stellen neben der "Normalspur" sucht. Dabei ist das Spiel ansich an (fast) keiner Stelle wirklich unfair - es legt halt nur sein Augenmerk auf pixelgenau exakte Sprünge oder Aktionen - welche natürlich ersteinmal verstanden und dann geübt werden müssen. Ja, in der Tat, ist dieser Titel eines der Spiele, wo man sich stundenlang an einer Stelle festbeißen kann und tausend Tode stirbt - aber so komisch es klingt, es ist amüsant und stachelt eher dazu auf, es unbedingt doch noch schaffen zu wollen!

Die Musikbegleitung könnte auch ein Grund dafür sein, denn der Soundtrack ist einfach unglaublich gut gelungen, wird nie langweilig oder nervend und jeder Track ist ein Treffer. Es macht schon Spaß, sich diese Musik nebenbei immer mal wieder anzuhören - aber im Spiel unterstreicht es erst optimal die visuellen Eindrücke auf ein Maximum. Auch der Sound ist gut gelungen und klingt wirklich fulminant.

Effektmäßig gibt es auch einiges zu sehen... zB. das Horrorlevel im durchweg "sichteinschränkenden" Tunnel-Vision-Modus... hier kann man nicht vorausplanen, man muss wissen, was kommt, sonst hat man schon verloren. Neben dem üblichen Ballern gibt es hin und wieder auch Flugeinlagen (Silversurfer/Drache/Hai) oder blutige Schlittenfahrten auf Onkel Santa, nachdem man ihn besiegt hat. Zahlreiche Kommentare und andere Geschmacklosigkeiten runden das Ganze humoristisch perfekt ab.

Sicher... das Spiel ist bestimmt nichts für kleine Kinder - ist aber viel harmloser als es sich jetzt hier noch anhören mag. Man hat schon darauf geachtet, daß alles im Rahmen bleibt. Was mir nur zu sagen bleibt - dieses Spiel ist ein wahrer Hit, den man sich immer mal wieder neu hervorkramen wird und zockt. Hier stimmt einfach alles und ich kann es nur wärmstens empfehlen - Voraussetzung ist natürlich, daß man ein sonniges Gemüt hat und eine echte Herausforderung sucht - wer 300 Mal (wie ich beim ersten Spielen) an allen möglichen und unmöglichen Situationen gestorben ist und jedes Mal einen zynischen (und stets zufällig neu generierten) Death-Screen zu Gesicht bekommen hat, wird wissen was ich meine. Mittlerweile zocke ich verschiedene Level schon mit keinem Lebensverlust komplett durch. Ob ich allerdings wirklich bis in den YOLO Modus vordringen möchte, sei mal dahingestellt - aber es kann auch nach mehrmaligem Durchspielen für lange Zeit weiter fesseln und unterhalten. (man wird aber schon einige Stündchen brauchen, bis man sich das erste Mal durchgekämpft hat)

Hart, härter, AVGN Adventures! Auf der berühmten Skala von 1 bis 10 erhält AVGN Adventures eine 9! Tip Top - Empfehlung des Nemesiz!

Positiv:

* pixelgenaue Steuerung
* genialer Soundtrack
* Witz und Ironie
* schöne Grafik, ausgefuchstes Leveldesign
* sehr gute Spielbarkeit
* startet flott und keine (Nach)ladezeiten
* speichert Fortschritt beim Beenden

Negativ:

* unterstützt nicht alle Gamepads
* dürfte für Nicht-Nerds einen kleinen Tick zu schwer sein

Das Spiel läuft auf Windows XP (oder höher) ab Pentium 4 aufwärts, braucht Direct X9, jeweils 256 Mb RAM und Grafikkartenspeicher, ca. 40 Mb freien Festplattenspeicher. Von mir getestet wurde es unter WinXP und Win7. Preislich liegt es derzeit bei 9.99 Euro bei Steam.

http://store.steampowered.com/app/237740/

Schlagworte : PC, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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