C64: Soulless Megatest



Samstag 06 Oktober 2012 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

Wenn sich die beiden englischen Publisher RGCD und Psytronik zusammentun, kann dies nur eines bedeuten – möglichst alle erdenklichen medialen Trägerformate abzudecken, die der Commodore 64 zu bieten hat. Daher kommt Ihr neues Arcadeadventure Soulless nicht nur in Disketten, Kassetten oder Modulform daher, sondern ebenfalls als digitaler Download – hier kann der geneigte Interessent ganz nach seinem Geschmack die beste Variante für sich auswählen.


Freilich, das Spiel als solches ist bei allen Varianten natürlich gleich, aber jede Version hat so ihre Eigenheiten – zB. kommt die Modulversion in einem transparenten (aber LED-beleuchteten) Gehäuse daher, die Kassettenversion bietet als einzige Version ein Introbild samt Bonusmusiktrack und Scroller als Wartezeitüberbrückung beim langen Laden und die Diskversion kann in zwei Varianten (Premium/Budget) geordert werden – wobei die Unterschiede halt beim beigefügten Bonusmaterial zu suchen sind. Dieses besteht bei den meisten physischen Varianten neben der Anleitung (welche übrigens als 16 seitiger Comic gestaltet ist) aus einem Poster, einer A3 Karte, Aufkleber, 2 Seelensteinblätter und einer CD-ROM mit Bonusmaterialda haben sich die beiden Publisher nicht lumpen lassen und kräftig was in die nett gestaltete Spielebox gepackt. Die Preise passen sich den Versionen natürlich an, sodaß auch Gamer mit kleinen Geldbeutel in den Genuß des Spieles kommen können – der digitale Download beginnt ab 1.99 britische Pfund und staffelt sich über Kassette (8.99 Pfund), Diskette (Premium) für 14.99 Pfund bishin zu 28 Pfund für die höchste Modulversion – diese Version ist nur bei RGCD erhältlich (die einfache aber auch bei Psytronik) und beläuft sich hier auch wieder auf das beigefügte Bonusgut. Nachdem man also beide Webseiten studiert und seine Lieblingsversion gefunden hat, kann es auch schon losgehen – bei den physischen Varianten bekommt man zur Überbrückung der Wartezeit auf seine Lieferung schon im Vorfeld einen Link zur digitalen Variante zugesandt um schon mal im Emulator in sein neu gekauftes Spiel hineinschnuppern zu können.

Das haben wir natürlich ebenfalls getan und können euch an dieser Stelle wieder einen umfangreichen Testbericht abliefern – einmal angetestet haben wir alle Versionen, aber dem Test selbst liegt die Modulversion zu Grunde, da diese praktisch keine Ladezeiten aufweist und wir davon auch wieder ein „Durchgespielt“-Video erstellt haben, welches ihr im Nemesizv3-Kanal bei YouTube wiederfindet.

 

Soulless begrüßt den Spieler mit einem nett gestalteten und animierten Intro indem man die Hintergrundgeschichte erfährt. Der mächtige Kriegskönig Rizek ist nach unzähligen Feldzügen des Krieges müde geworden und möchte eine Zeit des Friedens anbrechen lassen – das ist natürlich nicht im Sinne seiner Generäle und des Zauberers Kalen, welche weiterhin nach Expansion streben. Also spricht Kalen einen unheiligen Fluch gegen den König aus, welcher ihn seiner Seele beraubt und seinen Körper in ein Monster verwandelt – danach wird das Biest einfach ins Gefängnis geworfen und vergessen. Tausend Jahre später sorgt zufällig ein Erdbeben dafür, daß die Gefängsnismauern bersten und der Weg endlich frei ist – nun liegt es an uns, die Rolle von Rizek zu übernehmen um seine Seele zu befreien, seine normale Gestalt zurück zu erhalten und endlich den Frieden über das Land zu bringen, wie er es einst schon vor langer Zeit geplant hatte…


Nach dem Intro erfolgt der Titelscreen des Spieles, welcher allerdings keinerlei Optionen zum Einstellen bietet oder eine Highscoreliste zeigt – vielmehr ist er für den Creditsscroller gedacht – ein beherzter Druck auf den Feuerknopf startet daher direkt das Spiel.

Man startet als großer grüner Kerl direkt vor seiner Zelle und sieht sich auch sofort schon mit zwei Gegnern konfroniert – hier sind direkt schon mal schnelle Reflexe gefragt um den am Boden zu überspringen und den Fliegenden im hinteren Bereich über die Plattformen auszuweichen. Waffen sucht man übrigens im gesamten Spiel vergebens – sich wehren wird also aus eigener Kraft nicht möglich sein – stattdessen ist Ausweichen das erste Gebot, welches allerdings erst mal geübt sein will, da die Steuerung etwas altbacken gelöst wurde. So kann man die Spielfigur nicht mehr während eines Sprunges lenken, sondern muss die gewünschte Richtung schon vor dem Sprung exakt wählen, bzw. abschätzen. Das bedeutet – springt man etwa zu weit und fällt in einen Abgrund, würde man die Figur während des Fluges nicht kontrollieren können – diese fällt dann wie ein nasser Sack, bis ein Boden sie bremst – gut, daß derlei Stürze keinen Schaden verursachen. Daher sollte man die ersten Bildschirme lang erstmal mit der Steuerung üben um einigermaßen mit ihr vertraut zu werden. Hat man erst mal das Kerkergewölbe hinter sich gebracht, beginnt ein weiteres wichtiges Spielelement – das Untersuchen der überall im Screen verteilten Gegenstände nach den Seelensteinen und weiteren Goodies. Dazu positioniert man sich (am besten mittig, da manchmal „zu weit rechts oder links“ nicht funktioniert) direkt vor einen Gegenstand und drückt den Joystick nach oben und bleibt in dieser Position, bis die Suchaktion (grafisch dargestellt durch einen Balken – ähnlich wie bei Impossible Mission) abgeschlossen ist und ein Hinweis erscheint, was man da gerade gefunden hat – natürlich klingt dies leichter als es ist, da viele Gegenstände von unterschiedlicher Größe sind und zudem meist auch noch von Gegnern bewacht werden, die dieses Vorhaben ständig stören, sodaß man dauernd unterbrechen und ausweichen muss, ehe diese Wundertat vollbracht ist – der Gegenstand löst sich daraufhin auf und verschwindet vom Bildschirm. War ein Seelenstein darunter, wird er in einem der fünf „Slots“ am rechten unteren Bildschirmrand grafisch angezeigt, war irgendein Goodie darunter, wird es direkt angewendet – zB. kann man Lebensenergie über Potion´s wieder auffrischen, verschiedenfarbige Magie läßt Gegner für eine bestimmte Zeit einfrieren oder komplett verschwinden, Armulette machen für kurze Zeit unverwundbar, während Gold und Rubine für Punkte sorgt – sehr selten findet man aber auch ein gut verstecktes Extraleben – oder eben auch mal gar nichts. Diese ständige Suche aller Gegenstände ist unbedingt nötig, da am Ende des Spieles alle zwölf Seelensteine benötigt werden um die eigene Seele zu befreien und das Spiel zu beenden. Eine weitere Besonderheit ist dabei wichtig zu wissen – man wird während des Spielverlaufes in zwölf Räume kommen, in denen im Hintergrund eine rote „Slotleiste“ angezeigt wird, in der sich zwölf Kästchen befinden, von denen immer ein anderes ein Zeichen trägt. Alle Leisten müssen gefunden und die Position des Symbols auf einem Zettel notiert werden – dies zeigt später an, in welcher Reihenfolge die einzelnen Seelensteine am Ende richtig positioniert werden müssen!

Das Spiel besteht aus einzelnen Bildschirmen, welche stets beim Verlassen auf einen anderen umgeblendet werden – die Level sind teilweise labyrinthartig angelegt, führen aber irgendwann wieder zusammen oder in eine bestimmte Richtung, wobei am Ende eine verschlossene Tür wartet, dessen Schlüssel zumeist am anderen Ende auf dessen Entdeckung wartet – steht man also davor und kann diese nicht öffnen, geht man zurück und nimmt den anderen Weg, bis man den Schlüssel eingesackt hat – diese Türen ebnen den Weg in einen neuen Abschnitt. Es empfiehlt sich daher, ersteinmal den alten Abschnitt komplett abgegrast und abgesucht zu haben, ehe man weiterzieht um am Ende zu merken, daß man irgendwo noch etwas vergessen hat.


Kollisionen mit den zahlreichen und unterschiedlichsten Gegnern zieht etwas Energie aus der Energieleiste ab – so verträgt man schon ein paar „Treffer“ ehe ein Leben dahin ist – diese läßt sich aber zwischendurch mittels gefundener Potions aufbessern oder an bestimmten „Energiebrunnen“ (so hab ich sie genannt) durch darauf bücken wieder komplett auffrischen. Auch dienen diese Punkte als Wiedereinstieg, sollte man unterwegs ein Leben gelassen haben. Hat man durch Magie in einem Bildschirm alle Gegner ausradiert, erscheinen diese auch nicht wieder – was manchmal recht hilfreich sein kann, wenn man bestimmte Gebiete mehrfach besuchen muss, etwa weil der rettende „Energiebrunnen“ zum Auffrischen dahinter liegt oder weil man mehrfach einen Sprung wiederholen muss – solche Situationen sind allerdings die Ausnahme.

Hat man sich bis zum Ende durchgekämpft, muss man noch die Seelensteine in die richtige Reihenfolge einsortieren – war die Kombination richtig, wird die eigene Seele befreit und das Spiel ist damit gewonnen. Es folgt noch ein kleiner netter Abspann, danach springt das Spiel wieder zum Titelbild zurück – ohne die Möglichkeit, seinen Erfolg in einer Highscoreliste zu verewigen. Das finde ich persönlich recht schade, da sich dieser Titel durchaus dazu anbietet, sich mit anderen zu messen. Die durchschnittliche Spielzeit beträgt beim ersten Spielen ca. eine bis zwei Stunden, kennt man das Spiel und spielt ausdauernd in einem Rutsch, kommt man sicher in der Hälfte der Zeit durch – somit haben wir es mit einem kurzen Titel zu tun, der sich ideal zum Messen mit/an Freunden eignen dürfte! (allerdings müssen diese das hintereinander tun, denn eine Zweispielervariante bietet das Spiel nicht an)

Bei jedem Spiel werden übrigens die Gegenstände neu und zufällig verteilt – ebenso die Positionen der Runensteine am Ende – somit steht unendlichem Spielspaß nichts im Wege – vorausgesetzt man findet Spaß an dem Genre und Spielprinzip und stört sich nicht weiter daran, daß man selber auch mal Notizen anlegen muss.


Die Grafik ist schlicht und einfach – Hintergründe sind nicht animiert, dafür aber schon detailliert, die Sprites bestehen aus ein bis zwei Farben, sind aber zweckmäßig und geben dem Spiel seinen eigenen Touch – habe auch schon schlimmeres gesehen.

Die Gegner überraschen hingegen wenig – viele laufen, fliegen (mal langsamer, mal schneller) auf festen Bahnen oder sind auf festen Positionen und können somit vom Spieler leicht durchschaut werden – Ausnahmen, wie daß ein Gegner auf den Spieler reagiert, tragen ungemein zum Spielspaß bei. Unfaire Stellen sind mir nicht aufgefallen, das Spiel gibt sich stets fair und selbst knifflige Stellen (von denen es allerdings nicht viele gibt) sind mit guter Joystickkontrolle stets zu handeln. Auch die Kollisionsabfrage ist recht großzügig und keineswegs pingelig, so kann man pixelgenau an einem Abgrund oder Gegner stehen, ohne verletzt zu werden oder herunterzufallen.


Die Musik besteht zwar nur aus wenigen 5 Songs (wenn man das Tapeintro mitzählt), aber die sind von sehr guter Qualität und klingen niemals aufdringlich oder störend – was wichtig ist, da während der gesamten Spielzeit immer das selbe Lied zu hören ist – allerdings gemischt mit den SoundFX, was dem Ganzen nochmals einen besonderen Flair gibt.

Fazit:

Ein nettes und gut gemachtes kurzweiliges Spiel, welches sich in erster Linie an die geübten „Hardcorezocker“ alter Schule richtet, die exakte Joystickakrobatik gepaart mit schnellen Reaktionen im Gameplay bevorzugen, aber auch bereit sind, sich nebenher Notizen auf einem Zettel zu machen – wer der Steuerung aus Monty on the Run vermischt mit Elementen aus Impossible Mission (Suche) und Turrican 2 (exakte Sprünge im Windkanal) etwas abgewinnen kann, der wird auch begeistert von diesem Spiel sein! Alle anderen beißen sich wohl eher die Zähne daran aus und kritisieren mit Sicherheit die Steuerung – aber… würde man es anders lösen, würde auch der Reiz verloren gehen, da dann das Spiel einfach zu leicht werden würde. Ich finde, es ist genau richtig, so wie es ist und hat mir sehr viel Spaß bereitet – ein Titel, den Fans immer mal wieder hervorholen um sich in einer neuen Runde erneut von diesen tollen Titel prüfen zu lassen.


Pro/Cons

Positiv

  • interessante Genremischung
  • faires Gameplay
  • sehr gute Musikstücke
  • sehr viele Bonusbeilagen (je nach Version)
  • große Auswahl an Trägermedien

Negativ

  • keine Highscoreliste

Neutral

  • Notizen sind unvermeidlich
  • einarbeitungsbedürftige Steuerung

Auf der berühmt berüchtigten Scala von 1 bis 10 erhält dieser Titel eine glatte 8!

Bezugsquelle und weitere Infos (engl.) unter:

http://www.binaryzone.org/retrostore/index.php?main_page=index&cPath=87

http://www.rgcd.co.uk/p/shop.html

Schlagworte : C-64, Digital Talk, Test

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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